IW fordert mehr Unterstützung für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose

IW fordert mehr Unterstützung für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose

ID: 975911

IW fordert mehr Unterstützung für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose



(pressrelations) -
Die bis zu zwei Millionen schwer vermittelbaren Arbeitslosen müssten stärker von den Jobcentern unterstützt werden, sagt Holger Schäfer. Der Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) fordert eine Aktivierung dieser Arbeitskräfte durch enge Führung.

Gelingt der Großen Koalition der große Wurf auf dem Arbeitsmarkt?

Nein! Ich glaube, es gelingt nicht der große Wurf, und man muss vielleicht dazu sagen: Der große Wurf wäre auch gar nicht nötig. Wir haben ja eine Arbeitsmarktsituation, die relativ gut ist. Viele Reformen, die da jetzt auch diskutiert werden, sei es der Mindestlohn, sei es das Rückkehrrecht in Vollzeit, bewirken ja das Gegenteil von dem, was wir von einem funktionierenden Arbeitsmarkt erwarten. Insofern werden da eher im Moment Maßnahmen diskutiert, die den Arbeitsmarkt zurückwerfen.

Ein Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit und dann die Rückkehr in einen Vollzeitjob, das Ganze sinnigerweise unter der Überschrift "Familienpolitik", ist das der Einstieg in die gewünschte Flexibilität am Arbeitsmarkt?

Es ist natürlich so, ein Rückkehrrecht in Vollzeitarbeit - das Recht auf Teilzeit gibt es ja schon - wäre eine Maßnahme, die den Betrieben größere Flexibilitätsanforderungen auferlegt, weil die Betriebe dann gezwungen sind, quasi für die Teilzeitphase, die ja dann befristet wäre, personellen Ersatz zu beschaffen, und das können sie ja nur tun, indem sie, weil diese Phase ja endlich ist, befristet einstellen oder Zeitarbeit nutzen. Das heißt, die Betriebe brauchen zusätzliche Flexibilitätsinstrumente, wie Befristung, wie Zeitarbeit, um diese neue gesetzliche Anforderung letztendlich auch erfüllen zu können.

Das Fatale an der Sache ist, dass gerade diese Flexibilitätsinstrumente, die die Betriebe nutzen könnten, nämlich Zeitarbeit und Befristung, auch noch weiter reguliert werden sollen, sodass diese Kanäle auch verstopft werden.

Das ist für größere Betriebe sicherlich ein kleineres Problem als für kleine und mittlere Betriebe.



Völlig richtig. Die kleineren und mittleren Betriebe sind insbesondere davon betroffen, von dem Rückkehrrecht in Vollzeit. Größere Betriebe haben noch mehr Möglichkeiten, das Personal zu disponieren, aber bei einem kleineren Betrieb, der hat ja das Problem, wenn ein Mitarbeiter in Vollzeit zurückkehren will, dass er möglicherweise gar keinen Bedarf an zusätzlichen Arbeitsstunden hat und das auch nicht durch Umorganisation organisieren kann.

Herr Schäfer, was sind denn aus Ihrer Sicht die wirklichen Probleme des deutschen Arbeitsmarktes?

Das wesentliche Problem, was wir auf dem Arbeitsmarkt noch haben: wir haben ja wie gesagt sehr viele Fortschritte gemacht, aber was wir noch nicht besonders gut geschafft haben, ist die Integration von Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen, die auch eine große Schnittmenge haben. Da haben wir immer noch rund ein bis zwei Millionen Personen, die sehr schwer in den Arbeitsmarkt zu integrieren sind. Da müssen wir weiter dran arbeiten mit Aktivierung, das heißt auch mit ganz enger Führung und ganz engen Anforderungen seitens der Jobcenter an die Hilfebedürftigen, aber auch dann mit entsprechender Unterstützung. Das heißt, ich muss auch in der Lage sein, denen Angebote zu machen. Ich glaube, da haben wir in dieser Hinsicht noch ein bisschen Luft nach oben.

Ist denn bislang erkennbar, dass die Bundesagentur für Arbeit dagegen die richtigen Schritte überhaupt unternimmt?

Wir haben in der letzten Zeit, gerade so in den letzten sechs Monaten, durchaus einige Fortschritte zu verzeichnen gehabt. Man hat zum Beispiel einige Modellversuche unternommen, wo man die Hartz-IV-Empfänger stärker aktiviert hat, das heißt auch die Betreuung verbessert hat, mehr Fallmanager eingestellt hat, um die besser zu betreuen, und man hat festgestellt anhand auch dieser Modellversuche, dass das was gebracht hat, dass auch die Zahl der Vermittlungen in Arbeit dann besser geworden ist. Ich glaube, das ist so ein Weg, den wir weitergehen sollten.

Wie steht es eigentlich mit den Problemen des Niedriglohnsektors? Ist erkennbar, dass die Große Koalition da Schritte unternehmen will, die sinnhaft erscheinen?

Na ja, die Große Koalition unternimmt ja oder versucht ja, den Niedriglohnsektor gewissermaßen gesetzlich zu verbieten, indem sie einen Mindestlohn einführen will. Das kann man natürlich so machen. Damit wird dann auch der Niedriglohnsektor tatsächlich ausgetrocknet.

Aber die Frage ist natürlich, was mit den Arbeitnehmern passiert, ob die dann wirklich höhere Löhne bekommen, oder ob die dann ihren Arbeitsplatz verlieren. Das ist dann praktisch einerlei, weil das Ziel, die Relation des Niedriglohnsektors, haben sie dann auf jeden Fall geschafft. Aber das heißt nicht, dass die Betroffenen dann unbedingt besser dran sind.

Der ewige Praktikant, den es gab, wird es den weiter geben, oder wird der auch sterben?

Die Generation Praktikum, muss man ja sagen, war ja ohnehin immer ein Mythos. Das war ja vor einigen Jahren ein großes Thema auch gewesen. Aber der wissenschaftlichen Betrachtung und Überprüfung hat dieses Schlagwort nie Stand gehalten. Das heißt, eine Generation Praktikum in dem Sinne, dass es viele junge Menschen gibt, die von einem Praktikum ins andere gehen, gibt es ohnehin nicht, sondern Praktika werden so eingesetzt, wie sie eingesetzt werden sollten, nämlich als Einstieg in den Beruf, als Hineinschnuppern in den Beruf und in die Arbeitswelt, und so sollten sie sie auch weiterhin behandeln.

Die Zeitarbeit, ein weiteres Problem und zeitlich befristete Verträge. Wir hatten es eingangs schon. Das wäre eigentlich das ideale Mittel, um Teilzeitarbeit wirklich flexibel gestalten zu können. Ist da erkennbar, dass die Große Koalition kluge Vorschläge hat?

Nein. Leider im Gegenteil werden im Moment sehr gefährliche Vorschläge diskutiert, zum Beispiel bei der Zeitarbeit das Thema Equal Pay vom ersten Tag an, was Zeitarbeit enorm verteuern würde und dem Instrument in bestimmten Arbeitsmarktsegmenten, insbesondere in den Segmenten, in denen Geringqualifizierte bislang eine Arbeit finden, erheblich schaden würde. Und da müssen wir leider befürchten, dass aufgrund dieser Vorschläge es Geringqualifizierte dann auch schwerer haben, in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Gerade das Problem, was wir am Arbeitsmarkt noch am ehesten haben, wird dadurch auch noch verschärft.


Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. IW Köln
Konrad-Adenauer-Ufer 21
50459 Köln
Deutschland

Telefon: 0221 4981-1
Telefax: 0221 4981-533

Mail: presse@iwkoeln.de
URL: www.iwkoeln.de
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
PresseKontakt / Agentur:

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. IW Köln
Konrad-Adenauer-Ufer 21
50459 Köln
Deutschland

Telefon: 0221 4981-1
Telefax: 0221 4981-533

Mail: presse(at)iwkoeln.de
URL: www.iwkoeln.de



drucken  als PDF  DBV und DWV diskutieren Ernte, GAP und Tariflohn Auch bleifrei: Flussmittelgefüllter Lotdraht
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 06.11.2013 - 17:21 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 975911
Anzahl Zeichen: 7155

pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen


Diese Pressemitteilung wurde bisher 259 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"IW fordert mehr Unterstützung für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. IW Köln (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Weniger statt mehr ...
Die Banken im Euroraum haben die Kreditvergabe an Unternehmen und Privathaushalte in den vergangenen Jahren reduziert, während sie mehr Geld in Staatsanleihen gesteckt haben. Das könnte gefährlich werden, wie der "Bankenmonitor 2015" des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zei

Misstrauen in Krisenländern ist hoch ...
Krisen wie die an den weltweiten Finanzmärkten oder in der Europäischen Währungsunion haben eines gemeinsam: Mangelndes Vertrauen hat sie ausgelöst oder zumindest merklich verstärkt. Aktuell wird das am Beispiel Griechenland deutlich, wie der neue Vertrauensindex des Instituts der deutschen W

Europäische Kapitalmarktunion - Zuerst das Vertrauen wiederherstellen ...
Damit die Unternehmen in Europa wieder mehr investieren, schlägt Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker eine Kapitalmarktunion vor. Mit ihrer Hilfe könnten sich Firmen europaweit auf dem Kapitalmarkt refinanzieren. Doch gegen die aktuelle Investitionsschwäche hilft nur ein umfassendes Maßnahm


Weitere Mitteilungen von Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. IW Köln


DBV und DWV diskutieren Ernte, GAP und Tariflohn ...
Spitzengespräch zum Weinbau in Berlin Am 5. November 2013 trafen sich die Spitzen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und des Deutschen Weinbauverbandes (DWV) unter Führung der Präsidenten Joachim Rukwied und Norbert Weber in Berlin. Rückblickend auf das Weinjahr 2013 stellte Weber heraus,

Neues Karriereportal: Mitarbeiter erklären Nachwuchskräften die Welt von Currenta als Videobotschafter ...
Zur Ansprache von Nachwuchskräften und Auszubildenden setzt der Chempark-Manager und -Betreiber Currenta jetzt verstärkt auf "Videobotschafter" aus den eigenen Reihen. Auf dem neugeschaffenen Karriereportal http://www.entdecke.currenta.de stellen Mitarbeiter und Auszubildende in Videos

EEG-Reform: Papierindustrie befürchtet stärkere Belastung von Industrie und Verbrauchern ...
Die aktuell in der Energiearbeitsgruppe bei den Koalitionsverhandlungen (EEG) diskutierten Vorschläge zur Novellierung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes gefährden nach Ansicht des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) die energieintensiven Industrien. "Anstatt Fehlanreize bei der Förde

Die erste Wärmebildkamera speziell für Instandhalter und Facility Manager ...
Die Zeiten, in denen Wärmebildkameras vor allem ein kostspieliges Messinstrument für ausgewählte Spezialisten waren, sind endlich vorbei. Mit der neuen testo 870 bringt die Testo AG jetzt ein Werkzeug auf den Markt, das robuste Verarbeitung und einfachste Bedienung mit modernster Technik vereint


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z