Neue OZ: Kommentar zu Schausteller
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Seit Jahren überbieten Schausteller einander mit immer
spektakuläreren, ausgefeilteren Fahrgeschäften. Technisch mag diese
Entwicklung weitergehen, mögen Ingenieure und Designer immer neue
Superlative des Nervenkitzels ersinnen. Doch werden sich die Menschen
in den kommenden Jahren davon noch begeistern lassen? Die
Volksfestflaute, die der Schaustellerverband beklagt, deutet auf
einen entgegengesetzten Trend hin. Deshalb fällt es der Branche, es
sind zumeist Familienbetriebe, zunehmend schwer, Investitionskosten
von zwölf Millionen Euro für einen Fünfer-Looping wieder
hereinzuholen. Fahrkarten für noch so wilde Achterbahnen und
fliegende Teppiche lassen sich nicht unendlich verteuern.
Einst waren Jahrmärkte Höhepunkte des öffentlichen Lebens.
Inzwischen ist ihnen durch vielfältige Freizeitangebote in der realen
und der digitalen Welt starke Konkurrenz erwachsen. Dazu kommt: Die
klassische Kirmes zieht nicht alle Teile der Gesellschaft an, bietet
nicht die bierselige, aber fast alle Schichten einbeziehende
Geselligkeit eines Oktoberfestes. Und schon gar nicht die heimelige
Gemütlichkeit eines Weihnachtsmarktes. Besonders dessen Popularität
ist ungebrochen. Weihnachtsmärkte bringen Menschen zusammen, stiften
wohlige, glühweingewärmte Geborgenheit. Ihre Besucher kommunizieren,
lernen einander kennen, erweitern ihre realen sozialen Netzwerke.
Dazu brauchen sie keinen Looping.
Christian Schaudwet
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Neue Osnabrücker Zeitung
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Datum: 18.11.2013 - 22:00 Uhr
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