Psychische Erkrankungen: verantwortungsvoller Umgang mit Diagnosen

Psychische Erkrankungen: verantwortungsvoller Umgang mit Diagnosen

ID: 990277

ychische Erkrankungen: verantwortungsvoller Umgang mit Diagnosen


Auf den ersten Blick scheinen psychische Erkrankungen in der Bevölkerung zuzunehmen. Die Krankenkassen melden etwa seit Mitte der Neunzigerjahre in ihren Gesundheitsberichten stetig steigende Fallzahlen. "Doch alle großen Studien, in denen psychische Erkrankungen methodisch erfasst wurden, widersprechen dieser Annahme. Auch die aktuelle Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS-MH) zeigt, dass es in Deutschland keine Zunahme der Erkrankungsraten gibt. Ein anderes Ergebnis: Im Vergleich zu den somatischen Erkrankungen werden psychische Störungen nach wie vor seltener erkannt und behandelt", stellt DGPPN-Präsident Professor Wolfgang Maier fest.

Die DGPPN hat sich über viele Jahre hinweg erfolgreich für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen stark gemacht. "Krankheiten wie Depressionen werden heute nicht mehr so stark stigmatisiert und weniger oft als beschämender Schwächezustand wahrgenommen. Daher sind die Betroffenen heute eher bereit, sich professionelle Hilfe zu suchen", analysiert Professor Maier. "Gleichzeitig haben Aufklärungskampagnen dazu geführt, dass auch immer mehr Ärzte außerhalb des Faches Psychiatrie und Psychotherapie psychische Störungen erkennen und den Patienten zum Facharzt überweisen."

Trotzdem sollten nicht alltägliche Befindlichkeitsstörungen vorschnell zu behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen erklärt werden. Aus Sicht der Fachgesellschaft müssen sich Krankheitsdiagnosen auf medizinisch signifikantes Leiden beschränken. Denn psychische Störungen sind mit großer Krankheitslast verbunden: Die Betroffenen können am Alltag oft nur mit erheblichen Einschränkungen teilhaben, der Gemeinschaft entstehen Arbeitsausfall und Kosten für die oftmals langfristigen Therapien. "Deshalb müssen wir bei der Einführung neuer Krankheitsdiagnosen und der Ausweitung der Grenzen psychischer Störungen vorsichtig sein", fordert Professor Maier. "Es besteht sonst die Gefahr, harmlosere Befindlichkeitsstörungen und gesellschaftliche Probleme zu medikalisieren. Die resultierenden Leistungsansprüche überlasten das medizinische Versorgungssystem und gefährden damit eine gerechte Verteilung der begrenzten und "gedeckelten" Ressourcen unseres Gesundheitswesens - vor allem zum Nachteil jener schwer psychisch kranken Menschen, die unbedingt einer sachgerechten medizinischen Hilfe benötigen."

Auf dem DGPPN Kongress in Berlin steht deshalb in diesem Jahr auch ein Zukunftsthema der gesamten Medizin im Mittelpunkt: die Akzentverschiebung von der Therapie zur Prävention. Fru¨hzeitiges Erkennen und Intervenieren bei Krankheit sowie vera¨nderte Lebensstile tragen zu einem Gewinn an Lebensjahren bei, insbesondere auch im Bereich der psychischen Gesundheit. Über 9000 Ärzte, Wissenschaftler und Therapeuten werden vom 27. bis 30. November in Berlin erwartet. Das umfangreiche Programm spricht nicht nur die Fachwelt und Politik an, sondern richtet sich mit einer Reihe von Veranstaltungen auch an das breite Publikum.


Kontakt

Prof. Dr. med. Wolfgang Maier
Präsident DGPPN
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
DGPPN-Geschäftsstelle
Reinhardtstraße 27 B,
10117 Berlin
Tel.: 030.2404 772-11
E-Mail: pressestelle@dgppn.de



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Auf den ersten Blick scheinen psychische Erkrankungen in der Bevölkerung zuzunehmen. Die Krankenkassen melden etwa seit Mitte der Neunzigerjahre in ihren Gesundheitsberichten stetig steigende Fallzahlen. "Doch alle großen Studien, in denen psychische Erkrankungen methodisch erfasst wurden, widersprechen dieser Annahme. Auch die aktuelle Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS-MH) zeigt, dass es in Deutschland keine Zunahme der Erkrankungsraten gibt. Ein anderes Ergebnis: Im Vergleich zu den somatischen Erkrankungen werden psychische Störungen nach wie vor seltener erkannt und behandelt", stellt DGPPN-Präsident Professor Wolfgang Maier fest.

Die DGPPN hat sich über viele Jahre hinweg erfolgreich für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen stark gemacht. "Krankheiten wie Depressionen werden heute nicht mehr so stark stigmatisiert und weniger oft als beschämender Schwächezustand wahrgenommen. Daher sind die Betroffenen heute eher bereit, sich professionelle Hilfe zu suchen", analysiert Professor Maier. "Gleichzeitig haben Aufklärungskampagnen dazu geführt, dass auch immer mehr Ärzte außerhalb des Faches Psychiatrie und Psychotherapie psychische Störungen erkennen und den Patienten zum Facharzt überweisen."

Trotzdem sollten nicht alltägliche Befindlichkeitsstörungen vorschnell zu behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen erklärt werden. Aus Sicht der Fachgesellschaft müssen sich Krankheitsdiagnosen auf medizinisch signifikantes Leiden beschränken. Denn psychische Störungen sind mit großer Krankheitslast verbunden: Die Betroffenen können am Alltag oft nur mit erheblichen Einschränkungen teilhaben, der Gemeinschaft entstehen Arbeitsausfall und Kosten für die oftmals langfristigen Therapien. "Deshalb müssen wir bei der Einführung neuer Krankheitsdiagnosen und der Ausweitung der Grenzen psychischer Störungen vorsichtig sein", fordert Professor Maier. "Es besteht sonst die Gefahr, harmlosere Befindlichkeitsstörungen und gesellschaftliche Probleme zu medikalisieren. Die resultierenden Leistungsansprüche überlasten das medizinische Versorgungssystem und gefährden damit eine gerechte Verteilung der begrenzten und "gedeckelten" Ressourcen unseres Gesundheitswesens - vor allem zum Nachteil jener schwer psychisch kranken Menschen, die unbedingt einer sachgerechten medizinischen Hilfe benötigen."



Auf dem DGPPN Kongress in Berlin steht deshalb in diesem Jahr auch ein Zukunftsthema der gesamten Medizin im Mittelpunkt: die Akzentverschiebung von der Therapie zur Prävention. Fru¨hzeitiges Erkennen und Intervenieren bei Krankheit sowie vera¨nderte Lebensstile tragen zu einem Gewinn an Lebensjahren bei, insbesondere auch im Bereich der psychischen Gesundheit. Über 9000 Ärzte, Wissenschaftler und Therapeuten werden vom 27. bis 30. November in Berlin erwartet. Das umfangreiche Programm spricht nicht nur die Fachwelt und Politik an, sondern richtet sich mit einer Reihe von Veranstaltungen auch an das breite Publikum.


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Datum: 29.11.2013 - 10:31 Uhr
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