ROG verurteilt Razzien bei ukrainischen Medien und hilft mit Schutzkleidung für Journalisten
ID: 994226
in den Redaktionen dreier Oppositionsmedien in der ukrainischen
Hauptstadt Kiew. Bewaffnete Uniformierte drangen am Montagabend in
die Räume der Zeitung Wetschirni Wisti, des Internet-Fernsehsenders
INTV und der Nachrichten-Webseite Cenzor.net (http://censor.net.ua)
ein. Ohne sich zu legitimieren, beschlagnahmten sie dort Technik und
Ausrüstung und zwangen die Redaktionen, ihren Betrieb einzustellen.
"Diese Razzien sind nicht nur ein schwerer Anschlag auf die
Unabhängigkeit der betroffenen Medien, sondern zielen eindeutig auf
die Einschüchterung aller Journalisten im Land", sagte
ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. "Regierung und Justiz der Ukraine
müssen umgehend aufklären, wer für dieses illegale Vorgehen
verantwortlich ist."
Die Eindringlinge trugen Helme und Uniformen, die denen der
Polizei-Spezialeinheit "Berkut" ähnelten. "Die Angreifer haben sich
weder vorgestellt noch einen Durchsuchungsbeschluss gezeigt", sagte
Cenzor.net-Chefredakteur Yurij Butusow im Gespräch mit ROG. "Sie
befahlen unseren Mitarbeitern, sich von ihren Computern zu entfernen
und ihre Mobiltelefone nicht zu benutzen. Dann beschlagnahmten sie
unsere komplette Einrichtung. Das war ein krimineller Überfall, um
eine Webseite auszuschalten, die über die Protestbewegung informiert
hat."
Ähnlich schilderten Mitarbeiter von INTV und Wetschirni Wisti die
Razzien in ihren Redaktionen. Nach diesen Darstellungen sprachen die
Angreifer von nicht näher bestimmten "laufenden Ermittlungen". Sie
nahmen auch Computer und Server mit, die Datenbanken der Redaktionen
enthielten und diesen den Zugang zum Internet ermöglichten. Bei
Wetschirni Wisti beschlagnahmten die Eindringlinge außerdem
Dokumente.
Die Internetseiten von Wetschirni Wisti (http://gazetavv.com) und
INTV (http://intv.ua) waren am Dienstagnachmittag immer noch offline.
Während der Razzien am Montag waren - vermutlich infolge sogenannter
Denial-of-Service-Angriffe - auch mehrere andere führende
Nachrichten-Webseiten wie die der englischsprachigen Kyiv Post
(http://www.kyivpost.com/) nicht erreichbar.
Schon in der vergangenen Woche waren Polizisten der "Berkut"
maßgeblich an den Angriffen beteiligt gewesen, bei denen rund 40
Journalisten und deren Mitarbeiter zum Teil schwer verletzt wurden
(http://bit.ly/1cWdAsZ). Die Opfer waren vor allem Korrespondenten
ukrainischer und russischer Medien. Aber auch zahlreiche
Korrespondenten ausländischer Medien wurden bei den Zusammenstößen
verletzt.
ROG hat im Rahmen seiner Nothilfearbeit Geld für den Kauf von 150
Jacken und 50 Schutzhelmen mit Presse-Aufschrift, 100 Schutzbrillen
und rund 300 Atemschutzgeräten für Journalisten in der Ukraine zur
Verfügung gestellt.
Die Position der Ukraine auf der weltweiten ROG-Rangliste der
Pressefreiheit hat sich seit dem Amtsantritt von Präsident Viktor
Janukowitsch deutlich verschlechtert: von Platz 89 im Jahr 2009 auf
Platz 126 (2013). Dies liegt auch daran, dass Journalisten immer
wieder mit Gewalt angegriffen und diese Fälle in den seltensten
Fällen aufgeklärt werden. Zudem gehören die einflussreichsten Medien
des Landes Politikern oder Geschäftsleuten und berichten kaum
ausgewogen (http://bit.ly/1iOWc0o).
Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29
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Datum: 10.12.2013 - 16:22 Uhr
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