"Von Anfang an mitten in der Gesellschaft leben"

"Von Anfang an mitten in der Gesellschaft leben"

ID: 231002

Großer Träger der Behindertenhilfe in NRW stellt Geschäftsbericht 2009"Chancen geben - Vielfalt erleben"vor /3.300 betreute Menschen in 3.800 Betreuungsverhältnissen /2.400 Mitarbeitende in 51 Einrichtungen und 29 ambulanten Anlaufstellen / Gesamtleistung: 118,7 Millionen Euro /Bundesbeauftragter Hubert Hüppe im Geschäftsbericht zur"Inklusion"



(firmenpresse) - Gelsenkirchen/NRW. - Menschen mit Assistenzbedarf ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen: dafür setzen sich die inzwischen 2.400 Mitarbeitenden des Sozialwerks St. Georg mit Sitz in Gelsenkirchen in 51 Einrichtungen und 29 ambulanten Anlaufstellen in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens ein. "Nunmehr 3.300 Menschen mit geistiger Behinderung, psychischer Erkrankung oder sozialen Schwierigkeiten haben 2009 in 3.800 Betreuungsverhältnissen unsere vielfältigen Dienstleistungsangebote in den Bereichen Wohnen und Leben, Arbeit und Beschäftigung, Alltag und Freizeit in Anspruch genommen", sagte Vorstandssprecher Dieter Czogalla heute (20. Juli) bei einem Pressegespräch in Gelsenkirchen. Die Gesamtleistung stieg so auf rund 118,7 Millionen Euro.

"Unser Geschäftsbericht 2009 enthält faszinierende Geschichten über die Menschen im Sozialwerk unter dem Motto Chancen geben - Vielfalt erleben", so Czogalla; "die Beispiele zeigen: Auch wir wollen Inklusion erreichen." Hubert Hüppe, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, hatte bei einem Besuch des Sozialwerks im Interview für den Geschäftsbericht zum Ziel der neuen UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung gesagt: "Inklusion bedeutet: Jeder Mensch lebt von Anfang an mitten in der Gesellschaft". Der Geschäftsbericht samt Interview ist auf der neu gestalteten Internetseite des Sozialwerks abrufbar:
www.sozialwerk-st-georg.de/ueber-uns/das-unternehmen/unternehmensentwicklung

Klienten, Vorstand und Mitarbeitende hatten Hubert Hüppe im April im "Suchthilfeforum Gelsenkirchen-Süd" getroffen. Hier hat das Sozialwerk beispielhaft und zielgruppengerecht verschiedene bestehende und neue ambulante und stationäre Dienstleistungen für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen geschaffen und gebündelt. Hüppe hatte in diesem Gespräch weiterhin gesagt, grundsätzlich solle es in Deutschland weniger stationäre Einrichtungen geben. Das heiße aber nicht, dass die Mitarbeiter Angst um ihren Job haben müssten, denn auch im ambulanten Bereich würden kompetente Assistenten benötigt. Das "Persönliche Budget", über das Menschen mit Behinderung seit 2009 verfügen können, sei eine gute Idee, es sei aber derzeit noch zu kompliziert. Zur geplanten Reform der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung hatte Hüppe gefordert, das "Töpfchendenken" in Deutschland müsse überwunden werden, um Verbesserungen für behinderte Menschen zu erreichen.



"Wir ermöglichen es Menschen mit Assistenzbedarf im Ruhrgebiet wie im nördlichen und südlichen Westfalen auf vielfältige Weise, an der Gesellschaft teilzuhaben", betonte Czogalla heute. Die personzentrierte Betreuung unter dem Motto "Nicht für, sondern mit Menschen arbeiten" trägt dabei weiterhin Früchte: "Im Jahr 2009 konnten wir im ganzen Sozialwerk 183 Menschen in private Lebenssituationen entlassen - so viele wie nie zuvor", erläuterte Czogalla.

Ein stark wachsender ist der ambulante Bereich, sagte Vorstand Wolfgang Meyer: "Unsere Mitarbeitenden haben 2009 im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens bereits 782 Menschen begleitet; 2008 waren es erst 691." Ein Netzwerk aus inzwischen 29 ambulanten Anlaufstellen - zum Beispiel Kontakt- und Beratungsstellen - sowie vielfältige Angebote wie Tagesstätten, Psychosozialer Dienst oder verschiedene Arbeitsprojekte leisteten dabei wertvolle Unterstützung.

93 Prozent der stationär betreuten Menschen im Sozialwerk haben inzwischen einen so genannten "Zweiten Lebensraum" in Form von Arbeit und Beschäftigung in Werk- oder Tagesstätten. Einer von vielen Orten, an denen das Sozialwerk hier neue Wege geht, ist das Café "LebensArt" in Gelsenkirchen, in dem der Vorstand den Geschäftsbericht vorstellte. In diesem jüngst eröffneten besonderen Café arbeiten im Service- und Küchenbereich sowie im angrenzenden "Kreativbereich" bis zu 15 Menschen mit psychischer Erkrankung im Schichtdienst, auch samstags. Der Name "LebensArt" ist dabei Programm und bringt den Besuchern die moderne Welt der Betreuung und Zusammenarbeit mit Menschen mit Assistenzbedarf näher. Das Besondere: hier können Besucher selbst hergestellte Produkte wie Kerzen, Kunstkarten, Schmuck, Feinkostartikel, weitere Präsente für alle Anlässe sowie Dekorationsartikel anschauen und auch gleich erwerben. Die Atmosphäre und die dortigen "Ideen zum Wohlfühlen und Genießen" fördern ein gutes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung - sowohl aus der Umgebung als auch mittlerweile von weiter her.

Die Unabhängigkeit von Menschen mit Behinderung fördert das Sozialwerk St. Georg auch durch den Einsatz verschiedener Wohnformen: "In unserem 2009 eröffneten barrierefreien Wohnheim in Hamm, dessen Portrait beispielhaft im Geschäftsbericht enthalten ist, haben wir erstmals unter einem Dach Einzelapartments, Gruppenwohnungen und Raum für eine tagesstrukturierende Beschäftigung geschaffen", sagte Meyer. Grundsätzlich sollen durchlässige Strukturen gemäß der Maxime "ambulant vor stationär" die Eigenständigkeit der Menschen mit Behinderung so weit wie möglich erhalten bzw. verbessern.

Dem Ziel der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit speziell im Alter hat sich das Sozialwerk St. Georg unter dem Motto "Ambient Assisted Living" verschrieben. Wolfgang Meyer: "Hier erforschen und erproben Mitarbeitende und Klienten, wie technische Hilfen die Selbstständigkeit und Sicherheit von assistenzbedürftigen Menschen in der eigenen Häuslichkeit und in Wohngruppen erhöhen können."

Positiven Einfluss auf die Arbeit vor Ort haben auch die 286 ehrenamtlichen Mitarbeiter und 58 FSJ-Leistenden im Sozialwerk St. Georg. "Wir laden die Mitbürger ein, als freiwillige Helfer einen Menschen mit Behinderung zu begleiten - davon profitieren beide", sagte Czogalla und ergänzte: "Auch junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren möchten, sind herzlich willkommen!"

"Durch ein systematisches Qualitätsmanagement und den Einsatz unserer Mitarbeitenden, denen wir eine nachhaltige Personalentwicklung mit bedarfsgerechten Fortbildungen bieten, ist es wieder gut gelungen, Kosteneffizienz und Betreuungsqualität in Einklang zu bringen", erklärte Meyer. Die wichtigsten Kennzahlen des positiv verlaufenen Geschäftsjahres 2009: In der Summe beliefen sich die Umsatzerlöse einschließlich aller Unternehmensbereiche auf rund 107 Millionen Euro, die Gesamtleistung stieg auf 118,7 Millionen Euro - bei Gesamtinvestitionen von 10,4 Millionen Euro und einem Personalaufwand von 84,3 Millionen Euro. Fördermittel erhielt das Sozialwerk St. Georg 2009 von der Aktion Mensch, der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, dem Kreis Siegen-Wittgenstein, dem Land NRW bzw. dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Bundesagentur für Arbeit.


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drucken  als PDF  Niebel behindert zivilen Aufbau in Afghanistan Bundesministerin Schroeder hat Gleichstellungspolitik nicht begriffen
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Datum: 20.07.2010 - 17:47 Uhr
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