Auf tönernen Füßen
ID: 383960
Schleswig-Holstein glaubt nicht an dieÜberlebenschance des neuen Glücksspielstaatsvertrages - Pressestimmen folgen der Argumentation von Arp und Kubicki
Ähnlich vernichtend fällt der Kommentar in der Financial Times Deutschland (FTD) http://www.ftd.de aus. Die Bundesländer verstünden sich zwar gern als Bollwerk gegen die Spielsucht. Daran gemessen offenbarten sie sich selbst aber als "ziemlich abgefeimte Zocker". Ein genauerer Blick in die geplante Neuordnung des Glücksspielsstaatsvertrages offenbare schnell, dass die angebliche Reform nur die Kläger gegen das staatliche Wettmonopol beruhigen solle. Im Prinzip solle aber alles beim Altern bleiben: "Diesen Bluff sollte man schnell auffliegen lassen". Nach Analyse der FTD sind die geplanten Bedingungen für Anbieter zu hart, als dass sie irgendetwas an der jetzigen Marktlage verändern dürften. Branchenkenner halten die Begrenzung der Lizenzen auf sieben für willkürlich. Warum sollte es nicht fünf, acht, zehn oder noch mehr geben?
Ein Sprichwort besagt: Der Berg kreißte und gebar eine Maus. Genau nach diesem Prinzip haben bei der Sonderkonferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder in Berlin am 6. April 2011 alle gehandelt - außer der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Doch auch in Sachsen und Hessen, so Insider, dürfte man das erzielte Ergebnis mit einigem Baugrimmen zur Kenntnis nehmen. Ein Sechstel des Umsatzes will der Staat nach den jetzt getroffenen Verabredungen pauschal als Wettabgabe kassieren. Von dem, was übrig bleibt, dürften legale Unternehmen kaum Gewinnsummen anbieten könne, die mit denen der Internetkonkurrenz mithalten können, meint die FTD. Dies ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Kein einziger Anbieter von Wetten dürfte es in Zukunft als besonders verlockend empfinden, ausgerechnet in Deutschland seine Zelte aufzuschlagen.
Dass dieser doch recht faule Kompromiss, der eher einer Kungelei gleichkommt, keinen Bestand haben dürfte, macht die Reaktion aus Kiel deutlich. "Ministerpräsident Carstensen hat Recht. Eine Beschränkung der Konzessionen auf sieben wäre europarechtlich nicht haltbar. Diesem Vertrag können wir nicht zustimmen", erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Christian von Boetticher. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki ergänzte: "Niemand kann rechtlich sauber begründen, weshalb dem achten Anbieter der Zugang zum Markt zu verwehren ist. Die Klagen gegen die Diskriminierung wären ebenso absehbar wie das Ergebnis vor dem Europäischen Gerichtshof. Wir haben uns schon einmal eine schallende Ohrfeige abgeholt. Nochmal machen wir das nicht mit. Dann regeln wir das lieber alleine". Insgesamt sei das Verhandlungsergebnis ein Schritt in die richtige Richtung, aber eben nicht mehr. "Allerdings handelt es sich lediglich um Eckpunkte. Viele Details, zum Beispiel die Begründung des Lotteriemonopols, werden noch nicht angesprochen. Deshalb ist noch viel Arbeit zu leisten", so CDU-Fraktionsvize Hans-Jörn Arp.
Keine Frage: Die Parlamentarier haben wenig Lust darauf, wieder eine juristische Klatsche aus Luxemburg zu kassieren. Bleibt Kiel bei seiner harten, aber juristisch einwandfreien Haltung, dann könnten Wettanbieter sich gezielt im Norden eine Lizenz zu besseren Konditionen besorgen und die Regelungen der übrigen 15 Länder unterlaufen. Die Fraktionschefs von Union und FDP aus Schleswig-Holstein betonten in ihrer ersten Reaktion auf die Berliner Einigung jedenfalls, man halte die zweite Lesung des in den Kieler Landtag eingebrachten entsprechenden Gesetzentwurfes noch vor der Sommerpause für denkbar.
Neben den juristischen sprechen auch ökonomische Argumente gegen die geplante Regelung. Die Kieler Regierungsfraktionen sprechen der Höhe der Konzessionsabgabe die internationale Wettbewerbsfähigkeit ab. Dies zeigten Beispiele aus europäischen Nachbarländern. Frankreich habe 2009 den Glücksspielmarkt liberalisiert, konnte jedoch mit einer Steuer von 7,5 Prozent auf den Spieleinsatz nur rund 20 Prozent des Grau- und Schwarzmarktes kontrollieren. Ein Abgabensatz von über 16 Prozent auf die Einsätze bei den Sportwetten nimmt den Anbietern direkt die Luft zum Atmen. Wettbewerbsfähige Produkte könnten unter diesen Bedingungen nicht angeboten werden.
Die Ministerpräsidenten sind jetzt eindeutig zu kurz gesprungen. Falls sie alle Einwände in den Wind schlagen, werden sie spätestens in Luxemburg erneut scheitern. Ob sie in den nächsten Monaten noch den Mut finden werden, den ganz großen Wurf zu wagen, muss mit einem Fragezeichen versehen werden. Der schleswig-holsteinische Gesetzentwurf würde jedenfalls den Weg weisen, wie man Recht und Gesetz und wirtschaftliche Vernunft unter einen Hut bringen kann.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
gl-cksspielstatsvertrag
ftd
arp
boetticher
kubicki
spielsucht
monopol
lizenzen
carstensen
ministerpr-sidenten
luxemburg
ohrfeige
landesregierung
spieleinsatz
cdu
fdp
schleswig
holstein
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Das Redaktionsbüro Andreas Schultheis bietet Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ghostwriting, Manuskripte, Redevorlagen etc. für Unternehmen, Verbände, Politiker.
Andreas Schultheis, Text & Redaktion
Andreas Schultheis
Heisterstraße 44
57537 Wissen
schultheisoffice(at)aol.com
02742967527
http://www.xing.com/profile/Andreas_Schultheis2
Datum: 08.04.2011 - 14:31 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 383960
Anzahl Zeichen: 5766
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Andreas Schultheis
Stadt:
Wissen
Telefon: 02742967527
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Meldungsart:
Anmerkungen:
Diese Pressemitteilung wurde bisher 599 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Auf tönernen Füßen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Andreas Schultheis, Text&Redaktion (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Von Ansgar Lange +++ August 2014. Gibt man das Wort Tantra bei Google-News ein, dann merkt man schnell: Wir leben in Deutschland. Bei uns gibt es für alles ein Gesetz oder zumindest eine Steuer. Unter der witzigen Überschrift "Tantra ist zu viel des Vergnügens" berichtet die Frankfurter
Der Fall Roland Koch ...
Von Ansgar Lange +++ August 2014. Roland Koch war lange Zeit ein Star in der deutschen Politik. Er galt als der Wirtschaftsfachmann der CDU und der letzte Konservative in der Union. Das Kanzleramt hätte man ihm ohne Bedenken zugetraut. Es spricht für das Selbstbewusstsein des früheren hessischen
Mythos oder Ammenmärchen? ...
Von Ansgar Lange +++ August 2014. Was soll man denn nun glauben? Haben wir einen Fachkräftemangel oder nicht? Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Medium den absoluten Notstand beim Kampf um die besten Talente ausruft. Deutschland drohe ein massiver Fachkräftemangel. Viele können diese Bot
Weitere Mitteilungen von Andreas Schultheis, Text&Redaktion
Koalition hat aus der Finanzkrise nichts gelernt ...
Anlaesslich der heutigen abschliessenden Beratung des Regierungsentwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung der europaeischen Richtlinie betreffend bestimmte Organismen fuer gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW-IV-Umsetzungsgesetz) erklaert der zustaendige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion
Abgeordnete muessen Vorkehrungen gegen Korruption treffen ...
Anlaesslich der heutigen Plenardebatte zur Abgeordnetenbestechung erklaert die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Christine Lambrecht: Die SPD-Fraktion befuerwortet Regeln gegen Bestechung und Korruption in der Politik. Politik darf nicht kaeuflich sein. Die Abgeordneten mu
Erneuter Hygiene-Skandal am Klinikum Fulda - GRÜNE: Wie weit ist Minister Grüttner mit der Hygiene-Verordnung? ...
Wie weit ist Gesundheitsminister Grüttner (CDU) mit der von ihm seit Herbst 2010 angekündigten Hygiene-Verordnung?, fragt die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN anlässlich eines erneuten Hygiene-Vorfalls am Klinikum Fulda. Mehr als zehn Patienten sollen mit nicht sterilisierten OP-Bes
Kristina Schröder: 'Vielen Dank für 50 Jahre Zivildienst - herzlich willkommen, liebe Freiwillige!' ...
Bundesfamilienministerin würdigt bei Festakt den scheidenden Zivildienst und wirbt für neuen Bundesfreiwilligendienst Vom Zivildienst zum Bundesfreiwilligendienst: Vor 50 Jahren, am 10. April 1961, traten die ersten anerkannten Kriegsdienstverweigerer ihren Dienst an. Mehr als 2,5 Millionen jun




