Schwäbische Zeitung: Weg mit den Umweltzonen! - Leitartikel
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Feinstaub in groben Mengen zu produzieren, besser funktioniert als
ein gepflegter Zigarettenkonsum, dann wäre es interessant zu
erfahren, was Altkanzler Helmut Schmidt in seinem 75-jährigen
Raucherleben angerichtet hat. Grob geschätzt hätte er 500 Jahre am
Münchner Stachus alle um ihn herum vorhandene Luft einschnaufen
müssen, um eine ähnliche innere Wirkung zu erzielen. Eine
Provokation? Jawohl, eine Provokation! Aber bisweilen sind auch
hanebüchene Vergleiche geeignet, hochgradige Albernheiten als solche
zu erkennen.
Die 54 deutschen Umweltzonen zählen dazu. Seit gestern wissen wir,
dass die Feinstaubbelastung im Vergleich zum Vorjahr wieder mal
gestiegen ist. Seit Langem wissen wir, dass etwa der Pkw-Sektor mit
lediglich neun Prozent am Feinstaub beteiligt ist. Seit ebenso langer
Zeit wissen wir, dass Industrie, Privathaushalte, Reifenabrieb und
viele andere Faktoren eine deutlich größere Rolle spielen, und dass
sich vor allem das Wetter keinen Deut schert um die Beachtung der
Umweltzonen. Dennoch ist diese unselige EU-Verordnung mit ihren mehr
oder weniger willkürlichen Grenzwerten und ihren Strafandrohungen
noch immer in Kraft. Und dennoch wird der unschätzbare Wert der
Umweltzonen von geneigten Fachleuten gebetsmühlenartig betont, selbst
und gerade dann, wenn die objektiven Fakten beharrlich dagegen
sprechen. So etwas nennt man eine ideologiebelastete Diskussion.
Und die Moral von der Geschicht'? Man möge bitte schön rational -
das heißt technisch machbar und wirtschaftlich vertretbar - eine
Verbesserung der Luftqualität anstreben. Die Politik darf das gern
flankieren mit gesetzlichen Vorschriften, die nachvollziehbar
vernünftig sind. Aber man soll es bleiben lassen, die Menschen
mittels monströsem Aufwand - da hat sogar der ADAC mal recht - zu
gängeln, ohne dass sich ein nennenswerter positiver Effekt einstellen
würde. Die Umweltzonen gehören schlicht abgeschafft.
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Datum: 06.02.2012 - 21:25 Uhr
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