Rheinische Post: Flucht aus Afghanistan
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Da hat Angela Merkel aus Versehen gesagt, was sie fühlt, wenn sie
an "Afghanistan" und "Abzug" denkt. Indem sie am Mittag eilig
erklärt, es gebe keine Zweifel am Zeitplan, bis Ende 2014 die
Kampftruppen vom Hindukusch zu holen, bekommen ihre Worte vom Morgen,
sie wisse nicht, ob die Voraussetzungen dafür bis 2014 zu schaffen
seien, um so mehr Gewicht. Die Botschaft ist klar: Der Westen geht
raus, egal wie die Sache steht, weil seine Bürger kriegsmüde sind und
sich das Land zwar auf dem Papier, aber kaum in der Wirklichkeit
befrieden lässt. Über 1900 junge Amerikaner ließen ihr Leben für ein
besseres, ein terrorfreies Afghanistan. Auch 52 junge Deutsche
starben am Hindukusch. Ihr Blutvergießen soll nicht vergebens gewesen
sein, lautete die Maßgabe für frühere Abzugsszenarien. Also: Erst
rausgehen, wenn eine selbsttragende Sicherheit erreicht ist.
Verglichen mit der Situation von Ende 2001 ist die Welt auf diesem
Weg sehr weit gekommen. Aber das Ziel ist noch lange nicht erreicht.
Der Kardinalfehler lag deshalb darin, den Abzug verbindlich für 2014
anzukündigen. Das macht viele Afghanen nervös, lässt sie am Westen
zweifeln. Und letztlich begünstigt er angesichts tragischer Vorfälle
wie Koranverbrennung und Amoklauf eine Anti-USA-Stimmung, die den
Abzug immer mehr wie Flucht aussehen lassen wird.
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Datum: 12.03.2012 - 20:16 Uhr
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