Westdeutsche Zeitung: Nordkoreas fehlgeschlagener Raketentest schürt neue Ängste - Ein Kim darf einfach nicht scheitern
Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek
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Beginn mit dem 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung
zusammenfallen sollte, ist in 151 Kilometern Höhe geplatzt. Der mit
lauten Propaganda-Trommeln begleitete Raketenstart hat sich als
Rohrkrepierer entpuppt. Eine Schmach für den jungen Machthaber Kim
Jong Un und ein schwerer Rückschlag für das ehrgeizige Ziel der
kommunistischen Erbdiktatur, als prosperierendes Land von der Welt
wahrgenommen zu werden. Schadenfreude ist jetzt jedoch fehl am
Platze. Denn es wäre naiv anzunehmen, dass mit den im Gelben Meer
versunkenen Trümmern die Gefahr einer Eskalation in der Region
gebannt ist. Das Gegenteil ist der Fall. Der Rückschlag macht den
sowieso in seiner Macht noch instabilen Kim Jong Un unberechenbar. Er
ist angeschlagen, nicht zuletzt in den Augen der Militärs, auf deren
Wohlwollen er angewiesen ist.
Die Menschen in Nordkorea ertragen Hunger und Unterdrückung seit
Jahrzehnten klaglos, weil sie von der Unfehlbarkeit ihrer geliebten
und verehrten Herrscher überzeugt sind. Das Wort Scheitern, so haben
sie gelernt, kommt im Wortschatz der Kim-Dynastie nicht vor. Deshalb
ist die Gefahr groß, dass der Enkel nun versuchen wird, mögliche
Zweifel an seiner Person im Keim zu ersticken. Nichts käme ihm da
besser gelegen, als ein neuer Test mit nuklearen Sprengwaffen. Dabei
dürfte Nordkorea keine Rücksicht nehmen auf den jüngst erst
begonnenen Annäherungskurs an den Westen. Einem Diktator, der sich
einen Raketenstart so viel kosten lässt wie die
Lebensmittelversorgung der Bevölkerung für ein ganzes Jahr, ist mit
Argumenten und weiteren Sanktionen nicht beizukommen.
Deshalb erweist sich der UN-Sicherheitsrat einmal mehr als
zahnloser Tiger. Was auch daran liegt, dass China und Russland stets
ihre schützende Hand über das stalinistische Regime halten. Deswegen
wird Nordkorea sein Atomprogramm nicht aufgeben. Stattdessen droht
ein neues Wettrüsten in Nordostasien. Die Staatengemeinschaft wird
vermutlich erst aufwachen, wenn Nordkorea tatsächlich irgendwann ein
Trägersystem entwickelt hat, das atomare Sprengköpfe bis in die USA
trägt. Doch dann wäre die Ausgangslage für den Westen eine denkbar
schlechte.
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Datum: 13.04.2012 - 19:15 Uhr
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