Westfalen-Blatt: zum Gedenkjahr 2014
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Gedenkjahr der Herausforderungen. 1914 begann der Erste Weltkrieg,
1939 der Zweite und 1989 fiel die Mauer. Selbst das dritte Datum war
mitnichten nur Anlass ungetrübter Freude. Auf dem Balkan folgte
Krieg, und es kam sogar zu Fällen von Völkermord (Srebrenica). So
klar die Kriegsschuld Deutschlands 1939 ist, so differenziert stellt
sich die Ausgangslage 1914 heute dar. Deutschlands Juniorpartner in
Wien holte sich damals einen Blankoscheck aus Berlin, um das Attentat
von Sarajevo zu rächen. Am Ende stürmten viele Länder mit
Begeisterung an immer mehr Fronten. Dennoch ist sich die Wissenschaft
einig: Die Kriegseuphorie 1914 in Deutschland, Frankreich,
Österreich-Ungarn und Russland, England und Serbien, später in der
Türkei und in Asien, zuletzt in den USA war mitnichten eine
Mehrheitsbewegung. Wie es dazu kam und was wir aus den zwei
Weltbränden erkannt und danach besser gemacht haben: Das alles wird
in diesem Gedenkjahr, das nirgends auf der Welt ein Jubeljahr sein
kann, zu besprechen sein. London und Paris sind bei den Planungen zur
angemessenen Würdigung der Ereignisse von 1914 am weitesten.
Deutschland dagegen tut sich noch schwer - ganz wie es seiner
Verfangenheit in Schuld und Sühne, aber auch seiner inzwischen
breiten Übung in bekennender Aufarbeitung von Geschichte entspricht.
Bundespräsident Joachim Gauck kommt bei den Treffen auf den
Schlachtfeldern Flanderns und Lothringens die größte Aufgabe seiner
Präsidentschaft zu. Er vertritt die Kriegstreiber und
Kriegsverlierer, ihm bleibt kein Spielraum zur Beschönigung von
Nebenaspekten. Das Gedenken muss ein europäisches sein. Die Verengung
auf nationale Wertung und Rechtfertigung hieße den Fehlern von vor
100 Jahren - und vor 75 Jahren ganz besonders - erneut zu erliegen.
Hier kommt das dritte Gedenkjahr ins Spiel. Als 1987 eine britische
Politikfachzeitschrift das erste Mal die Möglichkeit eines neuen
Balkankrieges in Europa zur Debatte stellte, hielt man das für den
Disput von Theoretikern. Niemals würden junge Europäer wieder
aufeinander schießen. Der Autor selbst hat diese Thesen damals mit
gleichaltrigen Kroaten und Slowenen diskutiert. Alle waren von der
Unmöglichkeit neuer Waffengänge überzeugt. Am Ende forderte der
Balkankonflikt 150 000 Tote - ein Wimpernschlag im Vergleich zu der
Vernichtungswalze in den Weltkriegen zuvor. Und trotzdem sollten wir
den Blick auf die letzten 25 Jahre in Europa nicht vergessen. Sie
schildern, wie verheerend schon vergleichsweise kleine Kriege sind
und wie anfällig Europa für nationale Egoismen, Dummheit und
unkontrollierte Machtausübung geblieben ist. Auch darüber wird zu
reden sein - 100 Jahre danach - in Sarajevo, in Verdun, auf den
Killing Fields in Flandern und Galizien.
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Datum: 01.01.2014 - 20:00 Uhr
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