Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Sicherheitskonferenz
Unruhige Zeiten
Ralf Müller, München
ID: 1013608
Münchner Sicherheitskonferenz nicht sicherer, geschweige denn
friedlicher geworden. Einige Schauplätze haben sich beruhigt, neue
Konflikte sind aufgeflammt und etliche erweisen sich buchstäblich als
Dauerbrenner und ständige Quelle von humanitären Katastrophen und
Terrorismus. Es wird wohl auch hartnäckigen Optimisten schwerfallen,
Fortschritte zu erkennen. In München versammelte sich wieder einmal
das, was sich "Weltgemeinschaft" nennt, lud auch einige der Zündler
und Missetäter und diskutierte, ob sie aus den Millionen Toten der
sogenannten Nachkriegszeit etwas gelernt hat. Wenn dem so ist, dann
reicht es jedenfalls nicht aus, denn sonst wäre das, was sich seit
drei Jahren in Syrien abspielt, so nicht möglich. Der syrische
Bürgerkrieg ist der größte Stachel im Fleisch der gelegentlich zur
Selbstzufriedenheit neigenden Weltgemeinschaft. Vor der Haustür
Europas spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab, die noch dazu das
Potenzial hat, die ganze Region in Brand zu setzen. Chemiewaffen
werden schleppend abtransportiert, während das Regime in Bagdad
Fassbomben auf seine Bevölkerung wirft. Aus dem Irak haben sich die
USA zurückgezogen und ein desolates Land hinterlassen. In Afghanistan
dürfte es nicht viel anders sein. Im Nahost-Grundkonflikt zwischen
Israel und den Palästinensern ist kein Fortschritt erkennbar.
Erstaunlicherweise nähern sich die Interessen von Israelis und Saudis
aneinander an, die beide die vorsichtige Hinwendung der USA zum Iran
mit äußerster Besorgnis sehen. Der Iran bot gleichzeitig einen
kleinen Lichtblick, zunächst eher atmosphärisch. Der neue
Außenminister Mohammed Javad Zarif lieferte neue, aufgeklärte Töne,
die zum ersten Mal als echte Diskussionsbeiträge gelten konnten. Mehr
aber auch nicht. In Europa bahnt sich zwar eine Befriedung des
Kosovo-Konflikts an, auf der anderen Seite wächst die Gefahr eines
Bürgerkriegs in der Ukraine, welcher die EU wie Russland vor größte
Probleme stellen würde. Geradezu flehentlich wurde die Noch-Regierung
in Kiew daher aus München beschworen, das Militär in den Kasernen zu
lassen. Der Kalte Krieg ist zwar zu Ende, zu einer warmen Kooperation
zwischen den USA und Russland ist es aber nicht gekommen. Das
gegenseitige Misstrauen, das auf der Münchner Konferenz zum Ausdruck
gebracht wurde, ist eher gewachsen und gipfelte in der Mutmaßung
eines konservativen US-Kongressabgeordneten, hinter der NSA-Affäre
stecke der Kreml, der damit das angestrebte Freihandelsabkommen
torpedieren wolle. Man muss nicht gleich einen Vergleich der
Situation mit dem Jahr 1914, dem Vorabend des Ersten Weltkriegs,
ziehen, aber die Zeiten sind enorm unruhig. Die Zahl der autoritären,
zur Gewalt neigenden Regimes hat nicht abgenommen, die USA haben sich
im Irak und in Afghanistan mehr oder weniger stark die Finger
verbrannt, und die Europäer tun das, was sie am besten können: sich
mit sich selbst beschäftigen. Keine schöne Zustandsbeschreibung im
50. Jahr der Münchner Sicherheitskonferenz.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.02.2014 - 20:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1013608
Anzahl Zeichen: 3483
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 223 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Sicherheitskonferenz
Unruhige Zeiten
Ralf Müller, München"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Höhe der Rente unterscheidet sich in NRW von Wohnregion zu Wohnregion teils erheblich. Bei Männern macht es im Jahr einen Unterschied von 5.000 Euro aus, ob sie in Münster (1.185 Euro/Monat) oder im Rhein-Erft-Kreis (1.591 Euro/Monat) leben. Frauen in Gelsenkirchen (818 Euro) bekommen im Jahr
Hunderte Verstöße gegen Spritpreisregel in NRW bleiben folgenlos - ADAC kritisiert "zahnlosen Tiger" ...
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Westdeutsche Zeitung: Die Rolle Deutschlands in der Welt - Neue Kultur der Verantwortung Ein Kommentar von Werner Kolhoff ...
Es sind bei der Münchener Sicherheitskonferenz viele kluge Reden zu Deutschlands Rolle in der Welt gehalten worden. Eindrucksvoll hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Sache auf den Punkt gebracht. Er sei nach vier Jahren Pause in sein altes Amt zurückgekehrt. Alles sei gewesen, wie vo
Rheinische Post: Straßenbetrieb muss besser gesteuert werden Kommentar Von Gerhard Voogt ...
NRW wird auch in diesem Jahr nicht alle Bundesmittel für den Straßenbau ausgeben können. Angesichts der enormen Kosten, die alleine durch die Reparatur der morden Brücken entstehen, ist das ein politisches Desaster. Wer in Berlin soll die lautstarken Forderungen aus NRW nach einer Aufstockun
Rheinische Post: Tebartz stiftet Unruhe Kommentar Von Frank Vollmer ...
Dass Franz-Peter Tebartz-van Elst wieder in Limburg gesichtet wird, ist keine gute Nachricht - für die Diözese nicht, für den deutschen Katholizismus auch nicht. Gewiss, er ist weiter Limburger Bischof, wenn ihm der Papst auch eine Auszeit verordnet hat; sein Verhalten mag kirchenrechtlich wa
Rheinische Post: Klitschko im Polit-Ring Kommentar Von Godehard Uhlemann ...
Die ukrainische Opposition hat ein Pfund in der Hand, mit dem sich wuchern lässt: Vitali Klitschko ist ihre charismatische Galionsfigur. Den früheren Boxweltmeister kennt die Welt, und sie kennt auch dessen unbeugsamen Siegeswillen. Vitali Klitschko war der Star der Münchener Sicherheitskonfer




