Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Julius Müller-Meiningen zu Benedikt/1 Jahr nach dem Rücktritt als Papst
ID: 1016845
seinen Rücktritt an. In der weltweiten Öffentlichkeit, auch in weiten
Teilen der katholischen Welt, ist von Benedikt das Bild eines
rückwärtsgewandten Bewahrers haften geblieben, der die Aussöhnung mit
der reaktionären Piusbruderschaft suchte, die tridentinische Messe
aufwertete und schließlich von Skandalen und In-trigen aufgerieben
wurde. Dass er deutlich Position gegen Kindesmissbrauch durch
Priester Stellung bezog und als erster Papst in der Vatikanbank
aufzuräumen begann, wird leicht übergangen. Dennoch war Ratzingers
Interesse stark auf das Innenleben der Kirche konzentriert.
Eigentlich ist das auch die originäre Aufgabe eines Papstes, als
Hirte der Weltkirche für die Einheit seiner 1,2 Milliarden Mitglieder
umfassenden Gemeinde zu sorgen. Benedikt polarisierte aber
paradoxerweise gerade deshalb, weil er seinen Blick so sehr nach
innen gerichtet hatte. In diesem Zusammenhang ist die Wahl seines
Nachfolgers Franziskus aufschlussreich. Auch wenn die Kardinäle
zuweilen selbst überrascht von der Energie des Argentiniers sind,
haben sie mit der Wahl Jorge Mario Bergoglios in dieser Hinsicht
einen Kontrapunkt zu Ratzinger gesetzt. Ein Papst, so bestimmte das
Konklave implizit mit der Wahl Bergoglios, muss vor allem auch die
Welt im Blick haben. Die Kirche und ihre Traditionen dabei vergessen
darf er nicht. Dabei gehört es zur Natur der katholischen Kirche, in
der Öffentlichkeit auch anzuecken. Sie ist kein Glaubensverein,
sondern beansprucht eine theologische Wahrheit, die zwangsläufig mit
dem Zeitgeist in Konkurrenz treten muss. Das bedeutet aber nicht,
dass sich die 2000 Jahre alte katholische Kirche nicht verändern
kann. Benedikt XVI. selbst hat es vor einem Jahr vorgemacht.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.02.2014 - 19:43 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1016845
Anzahl Zeichen: 2103
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 222 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Julius Müller-Meiningen zu Benedikt/1 Jahr nach dem Rücktritt als Papst"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zu CDU/Grüne/Europa ...
Erfurt und Dresden, CDU und Grüne. Zwei ganz unterschiedliche Parteien haben an diesem Wochenende ihren Fahrplan für die Europawahl am 25. Mai festgelegt. Was beide eint, ist das grundsätzliche Bekenntnis zu Europa, zur Europäischen Union, zu seinem Parlament, zu seinen Institutionen - wie k
Frankfurter Rundschau: Kommentar zum Europawahlprogramm der Union ...
Wie immer vor Europawahlen zerbrechen sich die Strategen aller Parteien die Köpfe, wie man die Menschen für Europa mobilisieren könnte. Angela Merkel hat sich entschieden, es mit dem alten, national intonierten Lied von der deutschen Wettbewerbsfähigkeit zu versuchen. Die geschrumpfte deutsc
Westdeutsche Zeitung: Dieses Votum ist kein Schweizer Phänomen = von Lothar Leuschen ...
Die Schweizer haben gesprochen: weniger Einwanderung, weniger Europa, mehr Schweiz. Das wenn auch knappe Ergebnis der Volksabstimmung im Land der Eidgenossen lässt weit über die Grenzen des kleinen, wohlhabenden Staates aufhorchen. Vor allem in Deutschland wird das Votum auch in den nächsten
WAZ: Kultur, wo einst der Kumpel war - Kommentar von Matthias Korfmann ...
Ruhrpott, Kohlenpott, Revier - wer diese Namen hörte, dachte selten an Kultur. Die lag versteckt unter einer schwatten Schicht. Nun träumen manche in diesem früheren Kohlenpott, der längst grün geworden ist, vom Etikett "Weltkulturerbe". Ist das vermessen? Ist das schräg? Ist das




