Westfalen-Blatt: zur NSA-Affäre
ID: 1026470
unmöglich« nach Washington für einen selbstbewussten Neuanfang im
transatlantischen Verhältnis nutzen können. Dem Minister gelang dabei
das Kunststück, die NSA-Affäre in den Hintergrund zu drängen ohne sie
vergessen zu machen. Unverhofft bot ihm die Krise in der Ukraine
Gelegenheit, Deutschland auf der Weltbühne neu zu positionieren. Als
einflussreiche Macht, die eingebettet in Europa, bereit ist, ihr
Gewicht geltend zu machen. Das erfolgreiche Krisenmanagement des
»Weimarer Dreiecks« in Kiew setzte Steinmeier in Washington bei
seinen Gesprächen mit Außenminister John Kerry, Sicherheitsberaterin
Susan Rice und IWF-Chefin Chrstine Lagarde demonstrativ fort. Das hat
zweifelsohne Eindruck hinterlassen. Nicht nur bei
Ministerial-Direktorin Victoria Nuland, der die
»F...-the-EU«-Schmähungen nun noch peinlicher sein dürfte. Vor allem
horchte das außenpolitische Establishment der USA auf. Dieses wünscht
sich von den Deutschen seit langer Zeit, mehr internationale
Verantwortung zu übernehmen. Die von Steinmeiers Vorgänger Guido
Westerwelle propagierte »Kultur des Heraushaltens« löste hier nur
Kopfschütteln aus. Es ist kein Zufall, dass sich die
NSA-Schnüffeleien in Deutschland nicht nach dem 11. September,
sondern im Umfeld des Irak-Kriegs intensivierten. Die Opposition
gegen die Invasion des Zweistromlands machte Gerhard Schröder (SPD)
und dessen rot-grüne Regierung in den Augen der Amerikaner suspekt.
So unberechtigt das Argument auch ist, so sehr wird die militärische
Zurückhaltung der Deutschen bis heute als Rechtfertigung der
Schnüffeleien der Geheimdienste gebraucht. Unsichere Kantonisten, die
man besser im Auge behält. Mit gutem Gespür für die Realitäten hat
Steinmeier darauf verzichtet, sich an dem Unmöglichen abzuarbeiten.
Stattdessen wirbt er mit dem Eigeninteresse der Amerikaner an einer
starken transatlantischen Partnerschaft, die nicht von Misstrauen
geprägt ist. Das Problem der NSA-Affäre sei nicht die Empörung der
Öffentlichkeit, sondern das Handeln der Geheimdienste selbst. Die
amerikanische Politik beraube sich selber Spielräumen, wenn sie die
Welt allein durch die Augen der Schlapphüte sieht. Bleibt zu hoffen,
dass Washington die Signale versteht. Es ist schon einigermaßen
ironisch, wie der NSA die deutsche Kanzlerin und die politischen
Eliten in Berlin belauscht und dabei nicht heraushört wie gravierend
der Schaden ist, den dieses Verhalten anrichtet. Steinmeier hat
seinen Gesprächspartnern so höflich wie möglich dasselbe zu verstehen
gegeben. Der von ihm vorgeschlagene »Cyber-Dialog« ersetzt zwar nicht
das »No-Spy«-Abkommen, bietet aber ein Forum, die Differenzen
anzunähern. Bis dahin muss sich Europa selber helfen und in seine
Spionageabwehr sowie eigene Kommunikations-Infrastruktur investieren.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 28.02.2014 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1026470
Anzahl Zeichen: 3239
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 508 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: zur NSA-Affäre"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Westfalen-Blatt: zur Ukraine ...
Die Lage in der Ukraine zwischen Kiew, Krim und Rostow am Don, wo Viktor Janukowitsch schmollt, scheint hoffnungslos verfahren. Der gigantische Finanzbedarf macht ebenso Angst wie das Säbelrasseln Russlands. Deshalb ist gerade jetzt ein kühler Kopf vonnöten. Im Westen haben EU und Nato gar ke
Allg. Zeitung Mainz: Verkauft / Kommentar zu Steinmeiers USA-Reise ...
Was soll Gutes dabei herauskommen, wenn sich zwei, die eigentlich trotz aller Verwerfungen der Zeitläufte immer noch viele gemeinsame Interessen haben müssten, nicht mehr so recht über den Weg trauen? Nicht viel - und schon gar nicht viel Gutes. So gesehen hat Außenminister Steinmeier recht,
Vertrauter der Hamburger Terrorzelle auf freiem Fuß - Mohammed Haydar Zammar in Aleppo freigelassen ...
Nach mehr als zwölf Jahren Haft ist der Hamburger Islamist Mohammed Haydar Zammar aus dem Zentralgefängnis in Aleppo freigekommen. Nach Informationen des NDR und der Süddeutschen Zeitung hält sich der Deutsch-Syrer offenbar in der umkämpften nordsyrischen Stadt auf. Der 52-Jährige war ein e
Myanmar: Regierung ordnet Einstellung medizinischer Aktivitäten an - Ärzte ohne Grenzen besorgt über das Schicksal tausender Patienten ...
Die Regierung von Myanmar hat die niederländische Sektion von Ärzte ohne Grenzen angewiesen, alle Aktivitäten im Land mit sofortiger Wirkung einzustellen. Ärzte ohne Grenzen ist über diese einseitige Entscheidung schockiert und äußerst besorgt um das Schicksal von Zehntausenden Patienten,




