Schwäbische Zeitung: Kommentar: Kopflos

Schwäbische Zeitung: Kommentar: Kopflos

ID: 1028383
(ots) - Sind viele Leichen bei einem "Tatort" ethisch
verwerflich? Wohl kaum, schließlich handelt es sich um eine
Krimireihe, in der es naturgemäß um Mord geht. Und ab wie viel Toten
bitteschön soll es unmoralisch werden? Ab zwei, drei oder erst im
zweistelligen Bereich? Die Leichenschwemme in der Traditionsreihe
wirft allerdings ein qualitatives Problem auf.

Die "Tatort"-Episoden bieten mit ihren zahlreichen Ermittlern aus
dem ganzen Bundesgebiet eine große Spannbreite an Ansätzen, mal
kommen sie witzig, mal ernst daher, mal sind die Folgen
tiefgründiger, mal oberflächlicher. Das ist in Ordnung so. Allzu oft
fühlt sich der Zuschauer allerdings - rein thematisch gesehen - an
Hollywood-Thriller samt all ihren Grausamkeiten erinnert.

Da geht es um Serienmörder, Satanismus, Hinrichtungen und Ballerei
im Milieu sowie Gewaltexzesse im angeblich deutschen Alltag. Dass
unter dieser Prämisse die Zahl der Toten steigt, ist unvermeidlich.
Nur: Während uns die Hollywood-Thriller das Blut gefrieren lassen,
bleibt bei diesen "Tatort"-Ausgaben nur Kopfschütteln. Denn sie sind
zumeist voll von abgekupferten Szenen aus ihren amerikanischen (und
inzwischen auch skandinavischen) Vorbildern, vermeintlich
spannungsgeladene Musik schmerzt in den Ohren, fehlt nur, dass
allerorts Kunstnebel durchs Bild wabbert, alles schon da gewesen.
Diese "Tatorte" sind kopflos inszeniert, sie sind billiger Abklatsch,
viel zu weit weg von der deutschen Realität und schaffen es
gleichzeitig nicht, eine fesselnde Illusion aufzubauen.

Das Erste kündigt nun für den Oktober einen "Tatort" an als
Mischung aus Quentin Tarantino ("Django Unchained"), Italo-Western
("Spiel mir das Lied vom Tod") und Shakespeare ("Romeo und Julia").
Was eher nach Komödie oder Groteske klingt, produziert am Ende 47
Leichen. Wem schon im Vorfeld das Lachen vergeht, sollte sich nicht


die Kopie ansehen, sondern auf das jeweilige Original zurückgreifen.



Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Thüringische Landeszeitung: Gothar Oberbürgermeister Kreuch schlägt Neue OZ: Kommentar zu Ai Weiwei
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 05.03.2014 - 21:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1028383
Anzahl Zeichen: 2321

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Ravensburg



Kategorie:

Kunst und Kultur



Diese Pressemitteilung wurde bisher 236 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Schwäbische Zeitung: Kommentar: Kopflos"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Schwäbische Zeitung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Weitere Mitteilungen von Schwäbische Zeitung


Thüringische Landeszeitung: Gothar Oberbürgermeister Kreuch schlägt "Klassikstiftung Weimar-Gotha" vor und fordert mehr Geld vom Bund ...
Gotha. Der Bund soll sich an der Förderung der Schätze von Schloss Friedenstein beteiligen und die Landesregierung in Erfurt müsse ihren Zuschuss für die "Stiftung Schloss Friedenstein" verdoppeln. Die Stadt Gotha könne ihre bisherigen Finanzierungslasten für die Stiftung auf Dau

Yamaha TransAcoustic: Eine neue Piano-Generation erweckt digitale Klänge zum Leben ...
Ein akustisches Klavier mit Lautstärkeregler oder doch ein Digitalpiano mit echten Saiten? Yamahas neue TransAcoustic-Technologie vereint das Beste aus beiden Welten und eröffnet zugleich ungeahnte Möglichkeiten. Klaviere und Flügel geben ganz ohne separaten Lautsprecher sowohl akustische wie au

Lauschen, Entdecken und Mitmischen ...
(NL/9743306926) Musik mit allen Sinnen erleben und vor allem selbst ausprobieren: das können Kinder, Jugendliche und Familien beim europaweit einzigartigen Musikfestival Klangwelten, veranstaltet von der Landesmusikakademie Berlin und dem FEZ Berlin. 70 Live-Konzerte, 4 Bühnen, 130 Mitmach-Angebot

WAZ: Opernsängerin Cheryl Studer: Jungen Sängern fehlt oft die Haltung! ...
So sehr sich die ehemalige Starsopranistin Cheryl Studer (58) für den künstlerischen Nachwuchs einsetzt, so kritisch sieht sie die Defizite junger Sänger. Am meisten mangele es an "Haltung", sagte Studer jetzt im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Donnerstagau


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z