neues deutschland: Beate Klarsfeld im nd-Gespräch über zu späte Anklagen gegen NS-Verbrecher
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Baden-Württemberg drei mutmaßliche Wachmänner des Vernichtungslagers
Auschwitz vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Die
deutsch-französische Journalistin Beate Klarsfeld nimmt diese
Nachricht mit gemischten Gefühlen auf. Einerseits sei sie der
Meinung, dass man die NS-Verbrecher bis an ihr Lebensende nicht in
Ruhe lassen darf, weil jede Anklage ein wichtiger Beitrag gegen
Verdrängung und Vergessen sei, erklärte Klarsfeld in einem Interview
mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "neues deutschland"
(Montagsausgabe). Andererseits werde man - jetzt da die Täter von
damals im Altersheim sind - juristisch nicht mehr viel erreichen
können. "Es ist mitunter nur noch eine Peinlichkeit", so Klarsfeld.
In der Bundesrepublik habe es lange Widerstand gegen die juristische
Aufarbeitung der Naziverbrechen gegeben. "Ich habe mich in meinem
Leben sehr für die Verurteilung von NS-Verbrechern engagiert. Und ich
habe dabei immer wieder erfahren, wie ungeheuer schwer es war, die
Mörder und Schreibtischtäter vor Gericht zu bringen. Da wurde
blockiert und vertuscht", erinnert die 75-Jährige. Den Vorschlag des
Historikers Thomas Weber zur Einsetzung von Wahrheitskommissionen
nach afrikanischem Vorbild lehnt Klarsfeld ab. Denn: "Es war niemals
ein Gefühl für die Opfer spürbar, diese Männer waren nur mit sich
selbst befasst und hatten Sorge, dass sich jetzt ihr Leben ändern
könnte." Ein Grund für die fehlende Anerkennung ihrer Arbeit in
Deutschland sieht Klarsfeld in der Ohrfeige für den damaligen
Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger. Das hätten manche als
Nestbeschmutzung aufgenommen. "Wir haben mit unseren Aktionen zudem
an einer Vergangenheit gerührt, die eine Mehrheit lieber verschwiegen
hätte", ist sich Klarsfeld sicher. --
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Datum: 09.03.2014 - 15:51 Uhr
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