Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Tod von Anja Niedringhaus

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Tod von Anja Niedringhaus

ID: 1043130
(ots) - Anja Niedringhaus war Trägerin der
Pulitzerpreises in der Kategorie »Breaking news photography«. Es gibt
keine höhere Auszeichnung für Pressefotografen.

Bei Afghanistans Steinzeitislamisten gilt das gar nichts. Ein
Terrorist in Uniform hat die Deutsche am Freitag erschossen, eine
Kollegin wurde schwer verletzt.

Frauen vor der Kamera sind den Feinden der Gleichberechtigung ein
Dorn im Auge, Frauen die hinter einer Kamera auch mal Regie führen,
bringen sie in Rage, und Frauen, die in Todesgefahr ihren Mann
stehen, sind ihnen schier unerträglich.

All das wusste Niedringhaus - und sie konnte damit umgehen. Wie
Hunderte andere Berichterstatter in Krisengebieten hatte sie eine
Spezialschulung zum Verhalten in Extremlagen, gegenüber
Kindersoldaten und bei Entführung. Seit ihren ersten Einsätzen auf
der Snipers Alley von Sarajevo sammelte sie Berufserfahrung wie nur
wenige andere. Bis Freitag hatte das Gespür für Gefahr Anja
Niedringhaus nie verlassen.

Seit dem Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes in Afghanistan gab
es zwei Dutzend Angriffe auf Reporter. Alle Täter verfolgten das eine
Ziel: Angst schüren - nicht nur bei Wählern, auch bei
Wahlbeobachtern.

Die Taliban haben dem Urnengang den Krieg erklärt. Der Süden und
der Osten des Landes stehen de facto wieder unter der Kontrolle jener
Feinde der Freiheit, denen der Großeinsatz der westlichen Welt seit
dem 11. September 2001 gilt.

Seitdem sind 100000 afghanische Militärs und Zivilisten gewaltsam
ums Leben gekommen. Knapp 5000 ausländische Soldaten, darunter 54
Deutsche, starben. Trotz des großen Blutzolls trifft uns in
Ostwestfalen der Tod der Journalistin aus Höxter ganz direkt. Zur
Betroffenheit kommt ein Erschrecken darüber, wie wenig am Hindukusch
erreicht wurde.

Immerhin: Pressefreiheit ist in der neuen afghanischen Verfassung


verbrieft. Die Organisation Reporter ohne Grenzen würdigt diesen
Punkt als wichtigen Zwischenschritt. Afghanistan hat heute 190
Zeitungen, 48 TV- und 175 Radiosender. Die stehen extrem unter Druck.
Neben offener Gewalt gibt es Erpressung und Korruption. Weibliche
Journalisten werden nicht selten vom eigenen Clan zum Schweigen
gebracht. Nur selten gehen die Behörden den Übergriffen konsequent
nach.

Anja Niedringhaus hat nicht wegen des Adrenalins aus vielen
Krisengebieten berichtet. »Da könnte ich den ganzen Tag
Bunjee-Jumping machen«, hat sie einmal bemerkt. Sie hat die ganz
normalen Menschen hinter den Fronten gesehen, fotografiert und uns in
ergreifenden Bildern davon berichtet. Sie hat für die Freiheit
gearbeitet und einen hohen Preis dafür zahlen müssen. Aber sie hat
genau so an das Menschliche geglaubt, wie daran, dass Afghanistan
eine Zukunft haben muss.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Mitteldeutsche Zeitung: zum Pilotenstreik Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu den US-Folterberichten
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 04.04.2014 - 20:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1043130
Anzahl Zeichen: 3220

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 154 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Tod von Anja Niedringhaus"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westfalen-Blatt (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

WESTFALEN-BLATT - Till Brönner: "Nichts aus Corona gelernt" ...
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un

34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder

NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in


Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt


Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Erdgas-Förderung mit Fracking ...
Noch handelt es sich bei den Fracking-Genehmigungen lediglich um Aufsuchungserlaubnisse. Probebohrungen oder gar Fracking sind verboten. Aber der Druck, diese Technologie zuzulassen, wächst. Doch Fracking gefährdet nicht nur unser Grundwasser, sondern ganze Landstriche. Die Bundesregierung sol

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu den US-Folterberichten ...
Szenen von schockierender Brutalität enthält der Bericht über die Foltermethoden des US-Geheimdienstes CIA, der zumindest in Auszügen veröffentlicht wird. Was Menschenrechtsaktivisten lange anprangerten, steht nun Schwarz auf Weiß - auf 6300 Seiten, von denen aber nur 500 an die Öffentlich

Mitteldeutsche Zeitung: zu erschossener Reporterin ...
Die Bluttat, bei der eine kanadische Kollegin von Niedringhaus verletzt wurde, ereignete sich nicht in abgelegenem Gebiet. Die beiden Frauen befanden sich in einem Konvoi, der zur Vorbereitung der Präsidentenwahl am Samstag unterwegs war. Und der Todesschütze trug eine afghanische Polizeiunifo

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Reform der Ökostromförderung Zeitmaschine Energiewende HANNES KOCH, BERLIN ...
Lassen wir uns von der Zeitmaschine kurz ins Jahr 2044 transportieren. Der größte Teil des Stroms in Deutschland kommt aus Wind- und Sonnenkraftwerken. Die Rotoren draußen auf dem Meer sind inzwischen so leistungsstark, dass ihr Saft auch für die vielen Elektroautos reicht. Wenn es dann mal


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z