Allg. Zeitung Mainz: Kräftemessen / Kommentar zum Deutschen Ärztetag
ID: 1065285
Auftritt des noch relativ frischen Gesundheitsministers Hermann Gröhe
beim deutschen Ärztetag war von vorsichtiger Annäherung auf beiden
Seiten geprägt. Das ist nicht verkehrt, denn die Interessen zwischen
Politik und Lobby sind durchaus kontrovers, da sollten die Akteure
erst einmal eine Vertrauensbasis schaffen, wenn sie später
erfolgreich Lösungen finden wollen. Die demografische und
medizinische Entwicklung legen nahe, dass bald wieder heftig
gestritten werden wird. Es geht ums immer knapper werdende Geld, wenn
auch manchmal erst auf den zweiten Blick - etwa bei der gesetzlichen
Regelung für Facharzttermine, die Gröhe bewusst ansprach. Sie ist
notwendig, nicht nur, weil es so im Koalitionsvertrag steht, sondern
weil es einfach der Respekt vor kranken Menschen gebietet, sie nicht
mit Blick aufs Portemonnaie warten zu lassen. Dass die Ärzte die
heute herrschende Zweiklassenmedizin explizit mit Hinweis auf die
unterschiedliche Vergütung verteidigen, widerspricht dem von ihrem
Präsident Montgomery geforderten Imagewechsel, auf den die Ärzte
seiner Meinung nach hinarbeiten müssten. Natürlich lässt sich über
die genügende oder ungenügende Bezahlung für manche ärztliche
Leistung streiten - unter anderem müssten Gespräche mit dem Patienten
und Prävention deutlich besser honoriert werden. Aber wenn der
Präsident der Ärzteschaft Vergütungen und Leistungen der privaten
Kassen explizit als Rechtfertigung anführt, gesetzlich Versicherte
länger warten und leiden zu lassen, verbessert er keineswegs das
Vertrauensverhältnis zwischen Medizinern und Patienten. Noch
vertrauen die meisten Bürger ihrem Arzt - ein Gut, das man nicht aufs
Spiel setzen darf. Wir dürfen gespannt sein, wie das Pokerspiel
endet.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Florian Giezewski
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Datum: 27.05.2014 - 19:28 Uhr
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