DER STANDARD - Kommentar "Spindeleggers Schauergeschichte" von Gerald John
ID: 1066598
Parteifreunde nie unterschätzen: Michael Spindelegger stellte sich
wohl auf ein paar ruhige Wochen ein, als die Partei bei der EU-Wahl
einen von Stimmenverlusten geprägten Sieg einfuhr, den er zumindest
nicht verhindert hat. Doch statt der Atempause setzt es neuen Aufruhr
- und der richtet sich ziemlich direkt gegen den Mann an der Spitze.
Der Vizekanzler solle nicht länger eine rasche Steuerentlastung
blockieren, nur weil er partout gegen Vermögenssteuern zur
Gegenfinanzierung ist: So lautet die Kritik des Tiroler
Arbeiterkammerpräsidenten Erwin Zangl und des
Nationalratsabgeordneten Werner Amon, der sich nach und nach weitere
Mandatare anschließen. Spindelegger müssen deshalb nicht gleich die
Knie schlottern, denn die Giganten der Partei sind es nicht, die sich
da an ihm reiben. Doch wie in der SPÖ, wo Kanzler Werner Faymann den
Genossen zu lahm erscheint, gilt auch in der ÖVP: Nur ein Teil des
Unmuts, der unterhalb der Chefetage brodelt, eruptiert an die
Oberfläche. Es ist kein Wunder, dass ÖVP-Funktionäre, die ihre Partei
nicht nur als Anwältin der Betuchten begreifen, die offizielle Linie
nicht verstehen. Gott und die Welt hat die mit schwarzen
Finanzministern gesegnete Regierung mit ihren Konsolidierungspaketen
belastet, doch justament die stark auf eine Oberschicht
konzentrierten Vermögen erklärt Spindelegger für sakrosankt; eher
bittet er die im Wahlkampf mit Entfesselungsversprechen gelockten
Freiberufler zur Kasse, als über eine Erbschaftssteuer, wie sie
selbst Angela Merkels Deutschland einhebt, auch nur zu reden.
Unentwegt repetiert der Vizekanzler die Schauergeschichte vom
Arbeitsplatz- und Standortkiller - da können OECD und Währungsfonds
noch so oft feststellen, dass Vermögenssteuern weit
wachstumsverträglicher als Abgaben auf Arbeit sind. Eine "ehrliche"
Steuersenkung propagiert Spindelegger, brav erarbeitet durch
Einsparungen. Doch wer soll an die ultimative Verwaltungsreform, die
schon in der Vergangenheit nie das gebracht hat, was ÖVP-Politiker
versprachen, noch glauben? Und selbst wenn es Spindelegger schafft,
all die Blockierer wie durch Geisterhand hinwegzufegen, bringt das
kein schnelles Geld für eine absehbare Steuersenkung. Die Regierung
kann vielleicht "Doppelgleisigkeiten" beseitigen - die Beamten wird
sie nicht so schnell los. Ähnliches gilt für die Pensionen. Ja, das
Antrittsalter muss steigen, doch verordnen lässt sich ein großer
Sprung vom einen auf den anderen Tag nicht, schon gar nicht in
schlechten Zeiten. Die Arbeitsmarktdaten zeigen: Viele ältere
Menschen, die nicht mehr in Frühpension können, kosten den Staat dann
eben als Arbeitslose Geld. Raschen Erfolg verspricht am ehesten die
Kürzung der Subventionen, doch reichen wird das nicht. Gegen einen
Kahlschlag wird auch in der ÖVP ein Aufschrei ertönen - und nicht
jede Förderung ist per se überflüssig. Vermögenssteuern mögen eine
kräftige Senkung der Einkommenssteuer zwar auch nicht zur Gänze
finanzieren, machen sie aber allemal realistischer. Will er mit
Faymann einen Kompromiss finden, wird Spindelegger letztlich der SPÖ
entgegenkommen müssen - oder die Koalition sprengen. Klüger wäre, die
Tür eher heute als morgen aufzumachen. Ein erfolgloser Abwehrkampf
droht Spindelegger, am Ende doppelt schlechte Nachred einzubringen:
Die einen werden ihn Blockierer nennen, die anderen Umfaller
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 01.06.2014 - 18:14 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1066598
Anzahl Zeichen: 3988
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Der VP-Chef braucht sich im Steuerstreit über böse Parteifreunde nicht wundern - Ausgabe vom 2.6.201
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 264 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"DER STANDARD - Kommentar "Spindeleggers Schauergeschichte" von Gerald John"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Der Standard (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Der Standard
LVZ: Linkspartei bringt BND-Spähprogramme ins Parlament / Kipping: Lieber 7 500 Kita-Plätze als Mittel für die Ausforschung der sozialen Netzwerke durch den BND ...
Die Pläne des Bundesnachrichtendienstes, mit Hilfe neuer Späh-Programme weltweit die sozialen Netzwerke auszuforschen, werden, nach dem Willen der Opposition im Bundestag, noch in dieser Woche das Parlament beschäftigen. Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, sagte der "Leipziger
Glaube als Ermutigung für das Diesseits Käßmann predigt in Wittenberg über mutige Haltung Martin Luthers ...
Sperrfrist: 01.06.2014 11:00 Bitte beachten Sie, dass diese Meldung erst nach Ablauf der Sperrfrist zur Veröffentlichung freigegeben ist. "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!" Dieses Symbol einer mutigen Haltung können sich auch heute viele Menschen vor Augen halten,
LVZ: SPD-Fraktionsvize Schneider fordert Union zum "glasklaren Abgrenzungsbeschluss" zur AfD auf / Beteuerungen der CDU seien unglaubwürdig ...
Die SPD hat die Union aufgefordert, mit einer "glasklaren Beschlussgrundlage" jegliche politische Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland (AfD) auszuschließen. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, sagte der "Leipziger Volksze
LVZ: Unions-Kontroverse um AfD-Umgang / Grosse-Brömer: "Es gibt keinen Gesprächsbedarf" / Bosbach: "Wir dürfen die Auseinandersetzung nicht scheuen" ...
Die von Unions-Fraktionschef Volker geforderte Gesprächsverweigerung mit der AfD sorgt innerhalb der Union für Streit. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer, sagte der "Leipziger Volkszeitung" (Montag-Ausgabe), man habe im Euro




