Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Gipfel und historische Dimensionen
Krieg und Frieden
Knut Pries, Brüssel
ID: 1068615
mächtige historische Kulissen sichtbar werden: vor einem
Vierteljahrhundert der Zerfall des Sowjetimperiums mit ersten freien
Wahlen in Polen, die Landung der Alliierten an der Küste der
Normandie vor 70 Jahren, demnächst der Beginn des Ersten Weltkriegs
vor einem Jahrhundert. Natürlich, Jahrestage sind Zufälle. Anlass zu
einer Rückbesinnung bieten sie dennoch. Erstens sollten sie das
Bewusstsein dafür schärfen, dass sich drei Generationen nach dem
Weltenbrand die Frage von Krieg und Frieden in Europa nicht erledigt
hat. Zweitens machen sie plausibel, warum die EU, die dabei ist, an
Unzufriedenheit mit sich selbst schier zu ersticken, vielen
Außenstehenden immer noch als die Verheißung eines besseren und
sichereren Lebens erscheint. Und drittens vermitteln sie einen
Eindruck von der historischen Doppelgestalt des Riesenlands der
Russen, aus dem bis heute keine lupenreine Demokratie geworden ist,
das aber unter größten Opfern den Demokratien im Westen beim
Überleben geholfen hat. Das ist kein Grund zur Nachsicht mit Putin.
Es ist aber ein Grund, allen Respekt zu zollen, denen der Sieg über
den Nazi-Wahnsinn zu verdanken ist - selbst wenn sie heute von einer
autoritären Figur wie Putin repräsentiert werden. Ein Brüsseler
Gipfel, von dem er ausgeschlossen war, eine Gedenkfeier in der
Normandie, auf der er dabei ist - es ist am russischen Präsidenten,
richtige Schlüsse zu ziehen.
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Datum: 04.06.2014 - 20:25 Uhr
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