Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Ursula von der Leyens Attraktivitäts-Offensive
Offene Fragen
Alexandra Jacobson, Berlin
ID: 1068616
Trup-pe mehr Kitas und Flachbildschirme verpassen will, hat einige
Militärs wie etwa den Ex-Generalinspekteur Kujat auf die Palme
getrieben. Der Verdacht, dass die CDU-Frau auch im Bendlerblock
nichts anderes sei als eine verkappte Familienministerin, wird
breitgetreten. Gemach, gemach. Für die große Entrüstung an dieser
Stelle gibt es keinen Anlass. Denn natürlich hat von der Leyen recht.
Was die Ministerin durchsetzen will, wünschen sich die Soldaten
selber. Die Kritik an kaum noch zumutbaren Unterkünften ist uralt,
ohne dass sich bisher Grundlegendes verbessert hätte. Altbekannt ist
auch die Frustration über ständige Versetzungen und anstrengende
Wochenendpendlerei. Eine Freiwilligenarmee muss mit den Menschen
achtsamer umgehen und stärker Rücksicht gerade auf die Interessen der
Familien nehmen. Sonst bleiben die Bewerber einfach weg. Dass die
Bundeswehr trotzdem kein normaler Arbeitgeber ist, weil es beim
Militär auch um Fragen von Tod oder Leben geht, ist eine
Binsenwahrheit. Das rechtfertigt aber keinen schludrigen Umgang mit
dem Personal. Dass die Kritik an der Verteidigungsministerin so
scharf ausfällt, hat aber auch einen ernsten Hintergrund. Was die
militärische Seite ihres Amtes angeht, bleibt sie bisher die
Antworten auf viele Fragen schuldig. Hier wünscht man sich mitunter
etwas mehr Substanz. Gerade weil wir in Europa in eine Phase
eintreten, die sicherheitspolitisch mit neuen Unwägbarkeiten
gepflastert ist. Militärisch stellen sich angesichts der
Ukraine-Krise einige Fragen grundsätzlich neu. Ist es richtig, den
Umbau der Bundeswehr auf eine Interventionsarmee so kompromisslos zu
betreiben? Könnte in Zukunft nicht doch das Konzept der
Heimatverteidigung wieder an Bedeutung gewinnen? Und welche
Rüstungsbeschaffungen sind vordringlich? Es wird Zeit, dass von der
Leyen auch auf diese Fragen schlüssige Antworten hat.
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Datum: 04.06.2014 - 20:25 Uhr
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