WAZ: Von D-Day zu D-Day. Kommentar von Ulrich Reitz

WAZ: Von D-Day zu D-Day. Kommentar von Ulrich Reitz

ID: 1069749
(ots) - Bewegende Bilder von befreundeten wie einst
verfeindeten Veteranen, teils in Rollstühlen, eine klare Botschaft
über die Schrecken eines menschenverschlingenden Krieges und ein
großes Zusammenstehen gegen einen Feind, der sich sein Ende eindeutig
auch moralisch "verdient" hatte: das ist der D-Day, der längste Tag,
der Tag der Entscheidung, der Tag vom beginnenden Ende des
Nationalsozialismus, auch wenn noch ein Jahr vergehen sollte. Und:
Ohne die erste Front, ohne die erste große deutsche Niederlage, ohne
Stalingrad nicht die zweite Front im Westen, der letztlich
entscheidende Zangengriff auf Hitler-Deutschland. Von damals lassen
sich kaum Lehren für heute ableiten. Es gibt keine Gesetze der
Geschichte. Wann hilft noch Diplomatie und wann nicht mehr? Wann
braucht es Gewalt und wie viel davon? Viele der damaligen Fragen sind
ja bis heute umstritten, etwa der amerikanische Atombomben-Einsatz
gegen Japan. Aber damals gab es, wenigstens für dieses eine große
Ziel, Hitler niederzuringen, eine Gleichheit der Interessen. Heute
gibt es sie nicht, es gibt auch nicht diesen einen Feind, den zu
besiegen Moral und Menschenverstand gebieten würden. Putin ist eben
nicht Hitler, so einfach liegen die Dinge nicht. Von der
Vergangenheit in die Gegenwart. Ist die nicht-militärische Reaktion
auf die Krim-Annexion schon Appeasement, also voreilige Toleranz
gegenüber einem Diktator, oder noch Klugheit? Der D-Day war blutiger
Ausdruck dafür, dass die Alliierten Hitler verstanden hatten, sie
konnten ihn "lesen". Putin vermag bislang niemand zu "lesen",
vielleicht nicht einmal Angela Merkel. Daher auch das Tasten nach
einer richtigen Taktik, das ständige neue Androhen von Sanktionen,
das Vermeiden einer "roten Linie" gegen Putins anti-westliche
Destabilisierungspolitik, welche die Osteuropäer in Polen und auf dem
Baltikum so nervös macht. Jede ernsthafte politische Krise ist


einmalig. Sich an historischen Analogien zu versuchen, führt in die
Irre und verleitet zu voreiligen Schlussfolgerungen. Der D-Day war
einzigartig, auch der unblutige D-Day, der nicht schon 70, sondern
erst 25 Jahre zurückliegt - die Befreiung Osteuropas vom Kommunismus.



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