Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Heinz Gläser zu Fußball-WM
ID: 1071189
Land. Sie schwankt zwischen gespannter Erwartung und allgemeiner
Skepsis. Und sie entspricht so gar nicht dem, was sich die Welt
(primär der Fußball-Weltverband Fifa) von der Kür des WM-Gastgebers
Brasilien erhofft hatte. Gewiss ist Fußball ein Thema, das im
Schwellenland alle Gesellschaftsschichten vereint und durchdringt.
Kein Ereignis hat in Brasilien die Wucht des Fußballs. Und diese
Wucht kann mit dem Eröffnungsspiel heute schnell in nationale
Euphorie umschlagen, die alle hässlichen Fragen nach den Kehrseiten
dieses gigantischen Turniers übertönt. Allein: Sicher ist das nicht.
Diese Weltmeisterschaft ist die kostspieligste der Geschichte. Die
Investitionen in Stadien, Flughäfen und weitere Infrastruktur
verschlangen rund acht Milliarden Euro, andere Quellen sprechen gar
von zwölf Milliarden. Viel Geld, das man auch ins Bildungswesen und
das Gesundheitssystem hätte stecken können. Brasiliens Präsidentin
Dilma Rousseff, die um ihre Wiederwahl im Oktober bangt, verspricht
ihren Landsleuten: "Wir haben das vor allem für die Brasilianer
getan." Die nehmen ihr diese hehren Worte offenbar nicht ab.
Friedliche Aktivisten, aber auch militante Gruppen planen eine
Mobilisierungskampagne nach dem Vorbild des Konföderationen-Pokals
2013, als Massendemonstrationen und Straßenschlachten die
WM-Generalprobe der Fifa überschatteten. Der Staat bringt daher 157
000 Polizisten und Soldaten in Stellung, dazu gesellen sich unzählige
private Sicherheitskräfte. Auch diese Maßnahmen verschlingen Hunderte
Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund ist es sicherlich nicht
abwegig, von der Perversion eines sportlichen Großereignisses zu
sprechen, das doch ursprünglich mal nur dem edlen Wettstreit der
Jugend der Welt dienen sollte. Aber dabei handelte es sich
bekanntlich immer schon um eine Mär. Die Fifa und ihr geschmeidiger
Chef Sepp Blatter stecken bis zum Hals in einem Korruptionsskandal,
dessen Folgen unabsehbar sind. Und der Weltverband wird die Geister
nicht mehr los, die er rief. Er hat aus Profitstreben seinen
Markenkern vernachlässigt und mit seinem Hochglanzprodukt
Grenzbereiche des Mach- und Beherrschbaren erreicht. Alle
lobenswerten sozialen Aktionen verblassen vor diesem Versagen, das
sich beispielsweise darin manifestiert, wenn Straßenhändler aus dem
Umkreis der Stadien verscheucht werden, um den finanzkräftigen
Fifa-Partnern Exklusivität zu garantieren. Zynisch ausgedrückt: Das
Kunststück, selbst den komplett fußballverrückten Brasilianern die
Lust am Nationalsport auszutreiben, beherrscht wohl auch nur Blatters
Herrenriege. Ihr Land werde die ausländischen Fans und Gäste "mit
offenen Armen" empfangen - so wie die berühmte Christus-Statue in Rio
de Janeiro, verspricht Rousseff vor dem WM-Start. Einstweilen jedoch
wird man den Eindruck nicht los, die Brasilianer selbst würden sich
lieber heute als morgen aus dem Klammergriff einer fremden
Organisation befreien, die im fernen Zürich residiert.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 11.06.2014 - 21:12 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1071189
Anzahl Zeichen: 3468
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Sport
Diese Pressemitteilung wurde bisher 606 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Heinz Gläser zu Fußball-WM"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
Thüringische Landeszeitung: "Diese Fußballer-Generation muss endlich etwas abliefern" ...
Weimar. Für Marcel Reif, einen der bekanntesten und beliebtesten Sportkommentatoren Deutschlands, zählt das deutsche Team neben Brasilien und Spanien mit zu den Top-Favoriten der Weltmeisterschaft. Im Interview mit der Thüringischen Landeszeitung (Weimar, Donnerstag-Ausgabe) äußert sich Reif
Westdeutsche Zeitung: Heute startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien = von Olaf Kupfer ...
Es gibt nur noch wenige Sportfeste in der Welt, denen man sich mit uneingeschränkter Freude widmen kann. Mal nutzt ein Machthaber das gigantische Treffen der Sportwelt für seine politischen Zwecke, zuletzt geschehen bei Olympia im russischen Sotschi. Dann organisieren die Verbände - ob Uefa od
Anpfiff zur FIFA Fußball-WM: Tippen und gewinnen mit TV DIGITAL! ...
Hamburg, 11. Juni 2014 - Endlich geht"s los: Am Donnerstag, dem 12. Juni 2014, startet mit der Partie Brasilien gegen Kroatien (22 Uhr, ZDF) die FIFA Fußball-WM in Brasilien! In den folgenden vier Wochen blickt die Welt gebannt in Richtung Zuckerhut: Im Land des Rekordtitelträgers Brasilien k
Die erste ROTE KARTE Der WM 2014 ...
Genf 11.06.2014. In der Regel entscheiden Wille, Taktik und Sportsgeist der Spieler über Sieg oder Niederlage. Bei der WM 2014 jedoch scheint alles anders. Zunehmend mischen sich ungebetene Akteure in das Spielgeschehen ein um es zu beeinflussen. Die Schiedsrichter, im Normalfall für die Einhaltun




