Westdeutsche Zeitung: Mit Greenpeace gerät erneut eine Institution ins Zwielicht = Von Ulli Tückma

Westdeutsche Zeitung: Mit Greenpeace gerät erneut eine Institution ins Zwielicht =
Von Ulli Tückmantel

ID: 1072429
(ots) - So recht weiß man gar nicht, was einen
fassungsloser machen soll: Der Umstand, dass Greenpeace 3,8 Millionen
Euro Spendengelder mit Währungsspekulationen verliert, oder die
nachgeschobene Erklärung, man könne aber ausschließen, dass der
inzwischen gefeuerte Mitarbeiter sich habe persönlich bereichern
wollen. Hallo? Geht's noch? Wer Greenpeace Geld spendet, hat ein
bestimmtes Bild von der kämpferischen Umweltschutzorganisation: Es
sind mutige bärtige Männer, die sich in wackeligen Schlauchbooten
gegen den Mord auf den Meeren stellen, die Robben-Babys retten und
sich waghalsig von Schornsteinen abseilen. Nun müssen wir
akzeptieren: Auch der unschuldige Regenbogen lässt sich in die
hässliche Zickzack-Linie eines Währungskurses umbiegen. Wem können
wir eigentlich noch vertrauen? Dem ADAC nicht, diesem Pannendienst,
der uns jahrelang beim Auto des Jahres belogen hat. Dem TÜV nicht,
der einfach alles testet (und unsere Autos), aber es bei
Brustimplantaten nicht so genau nimmt. Der Stiftung Warentest nicht,
die sich ihre eigenen Wahrheiten über Schokolade quadratisch,
praktisch, gut zurechtgebastelt hat - und vor einem halben Jahr noch
Greenpeace als verlässlichen Spendenempfänger empfahl. Von den
Kirchen fangen wir hier am besten gar nicht erst an. Meinungsforscher
und Politikwissenschaftler konstatieren seit Jahren, dass das
Misstrauen der Deutschen in Institutionen zunimmt. Bisher nahm
Greenpeace noch einen Spitzenwert des Vertrauens ein, vergleichbar
nur dem Roten Kreuz und der Caritas. In den 80er Jahren traute den
Non-Profit-Organisationen noch jeder zweite Deutsche. Das tun nach
aktuellen Umfragen keine 13 Prozent mehr. Man könnte das als
Vertrauenskrise beschreiben, die den ausgeprägten deutschen Hang zum
Misstrauen weiter verstärkt. Ein amerikanischer Reiseführer warnte
schon vor Jahren: "Wenn man einen Deutschen zu freundlich anspricht,


glaubt er schnell, dass man ihn reinlegen will." Vielleicht ist das
aber ja gar kein schlechter Zug. Man muss schließlich nichts glauben,
was man prüfen kann. Vertrauen ist gut. Kontrolle meist jedoch
wirklich besser.



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Datum: 15.06.2014 - 19:47 Uhr
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