Westfalenpost: "Gott helfe mir! Amen." / Kommentar von Andreas Thiemann zur Sterbehilfe-Stellungnahme von Altpräses Schneider
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jeder Mensch so weit wie möglich von sich wegschieben will. Oder, wie
es Altpräses Nikolaus Schneider so treffend formuliert hat, der
Moment, in dem aus akademischer Theologie gelebter Glaube wird. Schon
einmal wurde Schneiders so sicher gewähntes Glaubensfundament in
seinen Festen erschüttert. Damals, als seine 22 Jahre alte Tochter an
Leukämie starb. Schneider haderte. Er haderte mit seinem Gott, und er
machte dies auch sehr bewusst öffentlich. Nun geht es um seine
vielleicht tödlich erkrankte Frau, und abermals sieht sich der sonst
so aufrechte und überzeugende Glaubensmann in einer Rolle, wie sie
einst Hiob auferlegt worden ist. Schneider ringt mit sich und mit
seinem Glauben. Er schreit förmlich seine Liebe hinaus, und es ist
ein Flehen um Hilfe. Er will der Glaubensvorgabe folgen und spürt
dennoch seine abgrundtiefe, seine menschliche Schwäche. Er will nicht
zaudern und nicht verzweifeln, aber er erkennt genau diese Gefahr. Er
wird, wenn er sich durch die Umstände und die Bitte seiner Frau dazu
gezwungen fühlt, das intime Gebot der Liebe über den Kanon der
Amtskirche stellen. Er wird damit schicksalhaft zu einem aufrichtigen
Nachfolger Martin Luthers: "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.
Gott helfe mir! Amen."
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Datum: 18.07.2014 - 23:17 Uhr
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