Weser-Kurier: Kommentar von Doris Heimann zum russischen Importstopp
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richtet sich gegen die EU und die USA. Treffen aber wird es in erster
Linie die russische Bevölkerung. Russland importiert derzeit mehr als
die Hälfte seiner Lebensmittel aus dem Westen. Der plötzliche Wegfall
dieser Ware wird zwar nicht zu Lebensmittelknappheit führen, wie sie
die Sowjetbürger in den 90er-Jahren erlebt haben. Doch die Preise für
Grundnahrungsmittel werden in die Höhe schnellen. Das trifft vor
allem die ärmeren Bevölkerungsschichten. Russland importiert viele
Dinge aus dem Ausland, die es leicht selbst in ausreichender Menge
herstellen könnte. Milch und Milchprodukte, Kartoffeln und Mohrrüben,
Äpfel. Weil vieles eingeführt wird, zahlen die russischen Verbraucher
für Lebensmittel Preise, die etwa 50 bis 100 Prozent höher liegen als
in Deutschland. Schuld an dieser Fehlentwicklung ist die jahrelange
Untätigkeit der Verantwortlichen unter Wladimir Putin. Mit dem Ende
der Sowjetunion lösten sich die Kolchosen auf. Der Markt wurde von
ausländischen Produkten überflutet. Bis heute ist es für die
Spitzenbeamten bequemer, sich eine Marge vom lukrativen
Import-Geschäft abzuzweigen, als sich Gedanken darüber zu machen, wie
man der darniederliegenden Landwirtschaft durch eine vernünftige
Agrarstrukturpolitik wieder auf die Beine helfen könnte. Insofern ist
es naiv und verlogen, wenn russische Politiker das Embargo nun der
Bevölkerung als "Hilfe für die heimischen Produzenten" verkaufen.
Hätte Russland eine leistungsfähige Agrarwirtschaft, müsste es nicht
so viel importieren. Die EU muss nun Verluste in Milliardenhöhe
hinnehmen. Russland war bisher mit 13,1 Prozent der Agrarexporte
zweitwichtigster Abnehmer nach den USA. Das schmerzt. Doch weltweit
herrscht ein Defizit an Lebensmitteln. Deshalb sitzt derjenige am
längeren Hebel, der Lebensmittel ausführen kann. Wer wie Russland von
Einfuhren abhängig ist, muss sich die Preise diktieren lassen - ob
von der EU oder von Ländern wie der Türkei und Ecuador, die nun in
Russland als Ersatzlieferanten im Gespräch sind. Putin ist bereit,
alle möglichen sozialen Konsequenzen dieser Entscheidung in Kauf zu
nehmen. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich der Konflikt um die
Ukraine mittlerweile so hoch geschaukelt hat, dass sowohl der Westen
als auch Russland keine Angst mehr davor haben, sich selbst Schaden
zuzufügen, wenn es nur der Durchsetzung politischer Ziele dient. Das
ist eine hochgefährliche Situation.
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Datum: 07.08.2014 - 20:02 Uhr
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