Weser-Kurier: Kommentar von Norbert Holst zu Waffenlieferungen in den Irak
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Politikern und manchen Medien hierzulande kommt die Losung in diesen
Tagen allzu eilfertig über die Lippen. Mögen die Motive dafür auch
durchaus edel sein. Ein Völkermord in den Bergen des Nordiraks soll
verhindert werden. Aber die Frage sei erlaubt: Warum bewirken
Tausende flüchtende Jesiden, was 100.000 Tote in Syrien nicht
vermochten? Dieses Mal entschließt sich die westliche Welt, nicht
tatenlos zuzuschauen, sondern einzugreifen. Um jeden Preis soll ein
Kalifat der ISIS-Milizen vermieden werden. Dabei legt die
außenpolitisch eher zum Zaudern neigende deutsche Politik ein
atemberaubendes Tempo hin. Am Montag ging es noch um ein paar
Millionen Euro humanitäre Hilfe, am Dienstag schon um Unterstützung
mit militärischem Gerät, nun sind die ersten Transall-Maschinen
bereits in Erbil gelandet. Und nach dem Beschluss der
EU-Außenminister ist es vermutlich nur noch eine Frage von Tagen, bis
die Transporter der Bundeswehr auch Waffen - und sei es die von
NATO-Partnern - in den Irak fliegen. "Die letzte Hoffnung heißt
Peschmerga", titeln einige Blätter und bejubeln die Kurden-Milizen.
Dabei pflegen die irakischen Kurden eine strategische Allianz mit der
PKK - jener Arbeiterpartei Kurdistans, die von EU und USA als
terroristische Vereinigung eingestuft wird. Sollten die Kurden aus
dem Kampf mit den Einheiten des "Islamischen Staats" siegreich
hervorgehen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Irak
endgültig zerbröselt. Das entstehende Machtvakuum wird dann wieder
mit Waffengewalt gefüllt. Frieden schaffen mit Waffen? Dafür ist das
Pulverfass Irak denkbar schlecht geeignet. Aber die Alternative,
nichts zu tun und zuzuschauen, wie die ISIS-Mörderbanden die Menschen
terrorisieren, kann auch keine Lösung sein. Das sollten Ruanda und
Srebrenica uns gelehrt haben.
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Datum: 15.08.2014 - 20:10 Uhr
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