NABU-Kreuzfahrtranking 2014: Erste Anbieter nehmen Kurs auf Umweltschutz

NABU-Kreuzfahrtranking 2014: Erste Anbieter nehmen Kurs auf Umweltschutz

ID: 1100855
(ots) - Vertreter des NABU stellten am heutigen Donnerstag
in Hamburg eine Rangliste der umweltfreundlichsten Kreuzfahrtschiffe
in Europa vor. Demnach setzte sich der deutsche Marktführer AIDA
Cruises mit seiner Ankündigung, umfassende Abgastechnik auf allen
Schiffen einbauen zu wollen, an die Spitze des aktuellen
Kreuzfahrt-Rankings.

Vorjahressieger TUI Cruises fiel zurück, da auch der jüngste
Flottenzugang, die "Mein Schiff 3" und die kommenden Schiffe "Mein
Schiff 4" bis "Mein Schiff 6" immer noch über keinen
Rußpartikelfilter verfügen und die eingebauten
Stickoxid-Katalysatoren lediglich die Abgase der Hilfsmotoren, nicht
aber der Hauptmaschinen reinigen. Das Ranking umfasst alle 28
Schiffsneubauten für den europäischen Kreuzfahrtmarkt im Zeitraum
2014 bis 2019 und bewertet die Umweltfreundlichkeit eines Schiffes
anhand des verwendeten Kraftstoffs sowie der eingesetzten
Abgastechnik.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: "'Geht nicht, gibt's
nicht, brauchen wir nicht' - mit diesen Standardaussagen haben sich
die Kreuzfahrtanbieter lange Zeit gegen moderne Abgassysteme auf
ihren Ozeanriesen gesperrt. Mit der Ankündigung von AIDA Cruises, die
gesamte Flotte mit moderner Abgastechnik in Form von
Rußpartikelfilter und Stickoxid-Katalysator auszustatten, kommt
endlich Bewegung in den Markt. Der deutsche Marktführer setzt sich
damit weltweit an die Spitze der Branche. Unsere Analyse zeigt aber
auch, dass sich die meisten Anbieter weiterhin weigern, den
Schadstoffausstoß ihrer Schiffe auf ein Minimum zu reduzieren."

Noch im Dezember 2011 hatte der NABU AIDA Cruises mit dem
Umwelt-Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" ausgezeichnet und damit
das Umweltproblem der Schiffsabgase prominent adressiert.

NABU-Leiter Verkehrspolitik Dietmar Oeliger: "Seit dem an AIDA


Cruises verliehenen Umwelt-Dino und den Rankings der vergangenen
beiden Jahre können wir deutliche Verbesserungen bei einzelnen
Reedereien erkennen. Allerdings handeln nicht alle Akteure aus reinem
Altruismus, sondern bereiten sich auf eine Verschärfung der
Abgaswerte in Nord- und Ostsee ab 2015 vor. Dann werden strengere
Vorschriften zum Schwefelgehalt der Kraftstoffe gelten, die nur mit
einem Wechsel auf höherwertigen Schiffsdiesel oder Flüssiggas
eingehalten werden können. Ein Abgaswäscher, der sogenannte Scrubber,
ermöglicht leider fast allen Reedereien, auch künftig mit dem
billigeren, aber giftigen Schweröl zu fahren, das im Falle von
Havarien zu Umweltkatastrophen riesigen Ausmaßes führt."

Laut dem internationalen Verkehrsexperten Axel Friedrich sind vor
allem die enormen Abgasmengen das zentrale Problem der
Kreuzfahrtschiffe, hinter das alle anderen Umweltschutz- und
Nachhaltigkeitsbemühungen der Unternehmen zurücktreten. "Der
Luftschadstoff Dieselruß, der von den in dicht besiedelten
Hafenstädten ankernden Schiffen in die Luft geblasen wird, verursacht
Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkte, aber auch Krebs und trägt
nach Kohlendioxid am deutlichsten zum Klimawandel bei. Doch auch
Schwefel- und Stickoxide schaden der menschlichen Gesundheit und
sensiblen Ökosystemen und müssen daher dringend reduziert werden.
Daher muss die Verwendung von schwefelarmen Kraftstoffen sowie der
Einsatz von Rußpartikelfiltern und Stickoxid-Katalysatoren auch in
der Hochseeschifffahrt obligatorisch sein."

Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik des NABU Hamburg, verwies am
Beispiel von Hamburg zudem auf die Situation der Hafenstädte: "Die
zunehmende Abgasbelastung durch die wachsende Zahl von
Kreuzfahrtanläufen in Hamburg, Rostock oder Kiel ist alarmierend. Ein
Mittel zur Senkung der Emissionen sind Landstromanschlüsse, die
jedoch verpflichtend genutzt werden sollten. Der NABU fordert eine
Bonus-Malus-Regelung für alle Schiffe. Reeder, die den Landstrom
nutzen, sollten Rabatte bei den Hafengebühren erhalten. Alle anderen
Reedereien, die die Motoren ihrer Schiffe ohne Abgastechnik in den
Häfen weiter laufen lassen, sollten hingegen mit einem Malus belegt
werden, also höhere Gebühren zahlen."

Hintergrundpapier:

www.NABU.de/kreuzfahrtranking2014

Link zum Messvideo: https://www.youtube.com/watch?v=Q7cjw0U490U

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Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik NABU-Bundesverband, Tel. +49
(0)30.284984.1613, Mobil +49 (0)172,9201823 E-Mail:
Dietmar.Oeliger@NABU.de

Malte Siegert, Leiter Umweltpoltik NABU Hamburg, Tel. +49 (0)40.
69708915, Mobil +49 (0)1739373241 E-Mail: siegert@NABU-Hamburg.de

Dr. Axel Friedrich, internationaler Verkehrsexperte, Mobil +49
(0)157. 71592163, E-Mail: axel.friedrich.berlin@gmail.com

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Datum: 28.08.2014 - 11:40 Uhr
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