Trotz Warnungen: Politik ignoriert Adipositas-Epidemie
In Deutschland leiden immer mehr Menschen an Übergewicht und Adipositas. Das Gesundheitssystem wird jedes Jahr durch Kosten für die Behandlung der Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck und Herzkrankheiten mit zweistelligen Milliardenbeträgen belastet. Durch Präventionsmaßnahmen könnten diese Kosten deutlich reduziert werden. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Deutschland in Sachen Prävention von Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes hinter der internationalen Entwicklung zurückliegt. Nicht zuletzt will die Bundesregierung nun auch noch die Finanzierung des Kompetenznetzes Adipositas einstellen. Wie wenig ernst die politischen Entscheidungsträger das Thema nehmen, zeigt eine aktuelle und vergleichende Erhebung der Europäischen Adipositas-Gesellschaft (EASO).
Diskriminierung der Adipositas durch die Politik
Obwohl auch Deutschland die „Europäische Charta zur Bekämpfung der Adipositas“ im Jahr 2006 unterschrieben hat, messen die politischen Verantwortlichen dem Thema Adipositas hierzulande kaum Bedeutung bei. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass
(I)die Bundesregierung auf der letzten UN-Konferenz zu nichtübertragbaren Krankheiten (NCD) im Juli 2014 nicht angemessen vertreten war,
(II)die Bundesregierung das Kompetenznetz Adipositas nicht weiter fördern will und
(III) der Gemeinsame Bundesausschuss kürzlich ein „Disease Management Programm“ (DMP) für Adipositas abgelehnt hat, so dass Betroffene auch weiterhin keinen Anspruch auf eine Behandlung haben.
Weiterförderung des Kompetenznetzes Adipositas notwendig
„Mir fehlt in der Politik das grundsätzliche Verständnis für die Probleme, die wir momentan im Zusammenhang mit Adipositas haben. Man kann im Grunde von einer Diskriminierung der Menschen mit Adipositas durch die Politik sprechen“, sagt Professor Hans Hauner, einer der Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas. „Die Komplexität des Problems ruft nach einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz, dafür sind Strategien in Zusammenarbeit von Politik mit Betroffenen, Wissenschaftlern, Krankenkassen, Bildungseinrichtungen und anderen Stakeholdern nötig“, so Hauner.
Auch Professor Manfred J. Müller (Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas) plädiert für weitere Investitionen in wissenschaftliche Projekte zur Erforschung von Sektor-übergreifenden Präventions- und Therapiemaßnahmen sowie der Wirksamkeit medizinischer Eingriffe zur Vorbeugung und Bekämpfung der Adipositas. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geplante vorzeitige Einstellung der Fördergelder für das seit 2008 erfolgreich laufende bundesweite Kompetenznetz Adipositas hält er für unverantwortlich. Die durch Steuermittel geschaffene Expertenplattform müsse dringend erhalten bleiben.Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Verbünde erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung der Adipositas. Sie entwickeln und überprüfen neue Therapien sowie Präventionsstrategien. Das Kompetenznetz stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände, Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk für eine Vernetzung und Stärkung der Adipositasforschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Versorgung der Betroffenen. Weitere Informationen finden Sie unter www.kompetenznetz-adipositas.de. Die Rubrik „Forschung kompakt“ macht Wissenschaft für Alle verständlich.
Datum: 05.09.2014 - 09:11 Uhr
Sprache: Deutsch
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