Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Fritz Winter zum Kampf gegen Ebola
ID: 1118371
der Betreuung eines an Ebola erkrankten Priesters als erste in Europa
mit der oft tödlich verlaufenden Krankheit angesteckt hat, ist ein
Grund zur Besorgnis, aber nicht zur Panik. Als erstes sind nun die
spanischen Behörden gefordert, die dokumentieren müssen, wo das
Sicherheitssystem bei der Behandlung von Ebola-Patienten versagt hat,
warum die Krankenschwester nach Hause geschickt wurde, obwohl sie
erste Symptome hatte und mit wem sie Kontakt hatte. Nur so kann das
Horror-Szenario von einem mutierten Ebola-Virus, das leichter von
Mensch zu Mensch übertragen werden kann als seine Vorgänger,
ausgeschlossen werden. Aber auch die Industrieländer sind aufgerufen,
den Seuchenalarm der Weltgesundheitsorganisation WHO ernster zu
nehmen, als sie das bisher getan haben. Seit das Virus 1976 am
Ebolafluss im Kongo erstmals dokumentiert wurde, kam es wiederholt zu
Ausbrüchen des Ebolafiebers. Bislang wurden die Epidemien als lokale
Krankheitsfälle im tropischen Teil Afrikas verharmlost. Westliche
Staaten, die die Möglichkeiten dazu gehabt hätten, verzichteten
darauf, wirksame Medikamente oder Impfstoffe zu entwickeln, weil man
sich davon keinen wirtschaftlichen Gewinn versprach - nicht einmal
die Vereinigten Staaten entwickelten Gegenmittel, als es Gerüchte
gab, Ebola könne auch als biologischer Kampfstoff eingesetzt werden.
Die Seuche schien weit weg und unbedeutend zu sein. Das hat sich seit
Februar dieses Jahres grundlegend geändert. Das Ebola-Fieber hat sich
tief in die Gesellschaften von Liberia, Guinea und Sierra Leone
gefressen und ist auf dem Sprung nach Europa, Amerika und Asien. Ohne
gleich in Angst und Panik zu verfallen, dürfen wir nicht mehr so tun,
als ginge uns die tödliche Krankheit hier nichts an. Ebola ist eine
existenzielle Bedrohung für die Staaten in Westafrika. Das
gesellschaftliche Leben dort steht still, Schulen verwaisen, Ernten
werden nicht mehr eingefahren, die letzten vorhandenen
Sicherheitsstrukturen brechen zusammen. Und die Welt weiß, was es
bedeutet, wenn ganze Staaten implodieren: Es bedeutet
Migrationswellen, Radikalisierung, Kriminalisierung und letztlich
Krieg. Deshalb ist es richtig und auch allerhöchste Zeit, die
Notmission der Vereinten Nationen für Westafrika mit allen Mitteln zu
unterstützen. Auch wenn die streikenden Transall-Transportmaschinen
der Bundeswehr, die für eine Ebola-Hilfsbrücke eingesetzt werden
sollen, manchmal mitleidig belächelt werden: Es ist doch ein
deutliches Signal Deutschlands, sich nach Kräften an die Seite der
hilfswilligen Nationen stellen zu wollen. Dazu gehört auch die
finanzielle Unterstützung ziviler Hilfsorganisationen wie dem Roten
Kreuz oder der Initiative "Ärzte ohne Grenzen", die sich mutig dem
Kampf gegen Ebola stellen. Es ist bedauerlich, dass Ebola erst zu
einer realen Bedrohung für die Industrieländer werden musste, um die
internationale Hilfsmaschinerie zwar spät, aber schließlich doch noch
in Gang zu bringen. Möglicherweise könnten Tausende von Opfern der
Krankheit noch leben, wenn frühzeitig und ohne das ständige Schielen
auf einen möglichst hohe Rentabilitätsrate Spitzenforschung zur
Entwicklung von Therapien und von Impfstoffen gegen die heimtückische
Krankheit gefördert worden wäre. Der Kampf gegen das Ebola-Fieber
wird noch hart und langwierig sein - aber wenn man die Menschen in
Westafrika nicht wieder alleine lässt, wird er gelingen. Jetzt schon
die Vorbereitung für einen wirtschaftlichen Neustart der betroffenen
Länder und für ein funktionierendes Gesundheitssystem zu treffen, ist
das Gebot der Stunde.
Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 07.10.2014 - 19:53 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1118371
Anzahl Zeichen: 4133
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Regensburg
Kategorie:
Außenhandel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 205 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Fritz Winter zum Kampf gegen Ebola"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Mittelbayerische Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zukunft geMAInsam gestalten, so hatten die DGB-Gewerkschaften den gestrigen Tag der Arbeit, nun ja nicht besonders originell, überschrieben. Das fade Motto täuscht freilich nicht darüber hinweg, dass die Gewerkschaften hierzulande vor riesigen Herausforderungen stehen. Nach zweieinhalb Jahren C
Als Ministerin untragbar Anne Spiegel hat mit ihrem Verhalten nach der Flutkatastrophe an der Ahr ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Notfalls muss der Kanzler sie rauswerfen. Von Reinhard Zweigler ...
Was waren die Beileidsbekundungen der heutigen Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen eigentlich wert, die den Hochwasseropfern an der Ahr Betroffenheit bekundete? Ihr sei das Herz schwer und die Trauer lasse sie nicht los, sagte sie zu Beginn der Katastrophe. Doch kurz darauf packt
Die Impfpflicht macht Sinn / Gerade weil viele in der gefährdeten Generation Ü60 noch keine Impfung haben, könnte gesetzlicher Druck Unentschlossene zu dem Pieks bewegen. / Von Reinhard Zweigler ...
Es ist schon seltsam, wie schnell das Drama des Ukraine-Krieges das Aufregerthema der vergangenen zwei Jahre in den Hintergrund gedrängt hat. Corona - war da noch was? Gefühlt ist die Pandemie doch schon vorbei, trotz hoher Infektionszahlen. Die in vielen Bundesländern vollzogenen Lockerungen,
Weitere Mitteilungen von Mittelbayerische Zeitung
WAZ: Nichtstun stärkt den IS-Terror - Kommentar von Gudrun Büscher ...
Als Zaungäste beobachten die Menschen an der türkisch-syrischen Grenze die Schlacht um Kobane, die in Sichtweite tobt. Die Kurden kämpfen gegen die Mörderbande vom Islamischen Staat (IS). Und derzeit sieht es nicht danach aus, als hätten sie tatsächlich eine Chance. Die Luftangriffe der Am
neues deutschland: Krieg im syrischen Kurdengebiet: Krokodilstränen ...
»Wir werden tun, was immer wir können, damit Kobane nicht fällt«, sagte der türkische Ministerpräsident Davutoglu, und die Krokodilstränen liefen. Das war vor einer Woche. Seitdem ist auf der einen Seite viel, auf der anderen wenig geschehen. Unbeeindruckt von den vermeintlich so starken L
neues deutschland: LINKEN-Abgeordnete Binder kritisiert Umgang der Türkei mit Flüchtlingen ...
Die vor dem Terror des "Islamischen Staates" (IS) geflohenen kurdischen Flüchtlinge aus Syrien werden in dem türkischen Ort Suruç nahe der syrischen Grenze von der türkischen Regierung mehr oder weniger alleingelassen, kritisiert die Bundestagsabgeordneten Karin Binder (DIE LINKE). S
Deutschland süß-sauer / "makro"-Dokumentation über den Vormarsch chinesischer Firmen in Deutschland ...
Freitag, 10. Oktober 2014, 21.00 Uhr, 3sat Erstausstrahlung "Deutschland ist bekannt für sein gutes Know-How", sagt Yang Jun. Er ist Geschäftsführer des chinesischen Unternehmens TMT. Der Manager hat gerade die Gummi- und Kunststoff-Sparte des Automobilzulieferers ZF Friedrichsha




