92 Prozent der Puten in NRW mit Antibiotika behandelt. BUND fordert Bundesregierung auf, Antibiotika-Missbrauch zu stoppen
ID: 1139891
Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zu
Antibiotikaeinsätzen in Puten-Hochleistungszuchtbetrieben hat der
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Länder und den
Bund aufgefordert, Kontrollen zu verstärken und illegalen
Antibiotikabehandlungen unverzüglich einen Riegel vorzuschieben. 92
Prozent der untersuchten Puten bekamen der Studie zufolge Antibiotika
verabreicht. Mehr als jeder fünfte Einsatz erfolgte mit Mitteln aus
der Gruppe der Reserveantibiotika. Zudem wurden Antibiotika ohne
Zulassung für Puten eingesetzt. In einem Teil der Fälle liegt der
Verdacht auf illegale Antibiotikaeinsätze nahe. Nach Angaben des BUND
ist davon auszugehen, dass in Hochleistungszuchtbetrieben auch in
anderen Bundesländern ähnliche Praktiken an der Tagesordnung seien.
Daher müssten Bund und Länder nun sofort handeln und mit strengeren
Vorgaben im Tierschutz und Arzneimittelrecht die Antibiotikaeinsätze
in Massentierhaltungen endlich wirksam senken, so der BUND.
BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning warnte vor der Entwicklung von
Resistenzen bei einem übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der
Fleischproduktion und einer schlimmstenfalls tödlichen Gefahr für
Menschen. Reserveantibiotika seien oft die letzte Rettung vor
lebensgefährlichen Erkrankungen. Rund zwei Drittel der gesamten
Antibiotikamengen in Deutschland würden in der Intensivtierhaltung
eingesetzt. Die bisherige Strategie der Bundesregierung zur Senkung
von Antibiotikaeinsätzen im Stall kritisierte Benning als "viel zu
lasch". "Ein Schludern kann Menschenleben kosten. Wer jetzt noch mit
verbindlichen Regeln für mehr Tierschutz und für weniger Medizin im
Stall wartet, bis die Antibiotika-Datenbank mit all ihren Webfehlern
irgendwann erste grobe Ergebnisse liefert, ist mitverantwortlich
dafür, dass Antibiotika auch in der Humanmedizin an Wirkung
verlieren", warnte Benning.
Der NRW-Untersuchung zufolge erhielten Hochleistungstiere an bis
zu 77 von 100 Masttagen und durchschnittlich an 23 Tagen Antibiotika,
teils mehrere Wirkstoffe gleichzeitig. Dennoch erreichte jedes zehnte
Tier den Schlachthof nicht lebend. "Die Untersuchung offenbart die
täglichen Katastrophen im krankmachenden System der
Massentierhaltung", sagte Benning. Für die häufigen Krankheiten seien
vor allem die Haltungsbedingungen verantwortlich. "Wenn 70 Prozent
der Tiere an Verdauungsstörungen leiden, ist das Futter ungesund.
Wenn ein Fünftel der Tiere Atembeschwerden hat, ist die Luft in der
deutschen Putenhaltung nicht artgerecht. Und wenn es insgesamt mehr
als neun von zehn Puten so schlecht geht, dass sie Antibiotika
benötigen, müssen Gesetze dafür sorgen, dass solche Tiere erst gar
nicht gezüchtet werden", sagte Benning.
Bisher fehlten gesetzliche Tierschutzregeln für die Putenhaltung.
Die freiwilligen bundeseinheitlichen Vereinbarungen der
Putenfleischwirtschaft erlaubten bis zu sechs Tiere auf einem
Quadratmeter zu halten. "Selbst diese lasche Obergrenze wird, wie die
NRW-Studie gezeigt hat, in einem Fünftel der Fälle noch
überschritten", kritisierte Benning. "Das muss sofort geändert
werden, um einen wirksamen Tierschutz zu etablieren", forderte
Benning. Außerdem gelte es Reserveantibiotika aus der
Massentierhaltung vollständig zu verbannen wie bereits in Dänemark
und den Niederlanden geschehen.
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Datum: 25.11.2014 - 11:41 Uhr
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