Weser-Kurier: Zur Verpflegung von Flüchtlingen bei den Tafeln schreibt Martin Wein:
ID: 1141486
Die Tafeln brechen nicht zusammen unter der Last allzu vieler
hungriger Flüchtlinge, wie dies medial verbreitet wurde. Kein Syrer
oder Schwarzafrikaner isst deutschen Sozialgeldempfängern den Rotkohl
oder das Toastbrot weg. Es ist - von wählerischen Konsumenten
verschmäht - genug für alle da. Skandalös ist eher das Treiben
mancher Politiker und Sozialstaatsbeamten: Öffentlich beschwören sie
bei Sektempfängen eine "Willkommenskultur". Stillschweigend aber
suchen sie nach billigsten Lösungen zur Unterbringung der armen
Teufel, die es oft in höchster Not über deutsche Grenzen zu uns
geschafft haben. Der Heimskandal in Nordrhein-Westfalen passt da
ebenso ins Bild wie die offenbar nicht unübliche Praxis, Flüchtlingen
als erste Anlaufstelle ausgerechnet die ehrenamtlich betriebenen
Tafeln zu nennen Es ist die Aufgabe des Staats, sich ausreichend und
sorgsam um Flüchtlinge zu kümmern. Dazu gehören neben Bett und
Kleidung in der ersten Zeit auch eine angemessene Verpflegung und
psychosoziale Betreuung. Anstatt Ressentiments zu schüren, sollten
sich die Verantwortlichen lieber für bessere Integration einsetzen:
für gute Deutschkurse, für einen Schulunterricht, der nicht nur der
Schulpflicht Genüge tut, für ein Bleiberecht während einer Ausbildung
und eine schnelle Arbeitserlaubnis. Die Arbeit der vielen Tausend
Helfer bei den Tafeln kann man nicht genug loben. Es kann aber nicht
ihre Aufgabe werden, die Defizite eines schwächelnden Sozialstaats
auszugleichen. Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland.
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Datum: 27.11.2014 - 19:28 Uhr
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