Weser-Kurier: Kommentar von Silke Hellwig zum "Deutsch-Vorstoß" der CSU

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(ots) - Manchmal könnte man meinen, der liebe Gott habe die
CSU erfunden, damit politischen Kabarettisten nicht langweilig wird.
Es gibt keine andere Partei, die sich seit vielen Jahren mit so viel
Fantasie und Hingabe im Ton vergreift. Manchmal aus Kalkül, um
Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, manchmal aus Versehen und fast
immer, um dem eigenen Image gerecht zu werden: Bei den Christsozialen
spricht man Klartext und wirft nicht mit verbalen Wattebäuschchen,
sondern mit markigen Sprüchen um sich. Host mi? Auch dieses Mal
drängt sich der Eindruck auf, dass nicht nur schneller formuliert als
gedacht, sondern zudem ausschließlich auf Traditionswähler geschielt
wurde, die sich am Stammtisch im "Goldenen Hirschen" mit Politik,
Weißwurst und Brezen beschäftigen. Bei ihnen mag die Forderung, dass
Zuwanderer zu Hause und "im öffentlichen Raum" Deutsch sprechen
mögen, Zustimmung finden. Allen anderen bleibt angesichts des plumpen
Rückfalls in die deutsche Leitkultur-Debatte die Spucke weg. Falls
die CSU beschlossen hat, auszusterben, statt unter Jüngeren, unter
Großstadtbewohnern, womöglich mit ausländischen Wurzeln, Akzeptanz zu
finden, ist sie wahrscheinlich auf einem recht erfolgreichen Weg. Der
Gedanke hinter dem Leitantrag ist natürlich goldrichtig, jedoch
nichts Neues und gilt parteiübergreifend als Konsens: Die deutsche
Sprache ist ein Schlüssel zur Integration. Das Deutsch-Sprechen zu
Hause und in der Öffentlichkeit aber als eine Art Nachweis für
ernsthaften Integrationswillen verstehen zu wollen, ist hanebüchen.
Käme der - mittlerweile abgemilderte - Vorstoß nicht von der CSU, die
sich für kein Fettnäpfchen zu fein ist, wäre er mindestens
reaktionär. Genauso gut könnte man Bürger dazu "motivieren" wollen,
in der Öffentlichkeit und den eigenen vier Wänden ausschließlich "O
Tannenbaum" zu singen und bloß nicht "Jingle Bells".





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Datum: 08.12.2014 - 20:41 Uhr
Sprache: Deutsch
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