Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Ende von»Wetten, dass. . ?«
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überraschend die Fortsetzung verkündet, wird »Wetten, dass. . ?« am
späten Samstagabend Fernsehgeschichte sein. Nach 215 Ausgaben fällt
in Nürnberg der letzte Vorhang. »Wetten, dass. . ?« war nicht
irgendein Format, sondern gehörte wie der VW Golf zu den
Markenzeichen der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Show geht auch
ein Stück deutsche Kulturgeschichte. Trotzdem gibt es für Wehmut und
Nostalgie nur begrenzt Anlass. Das ZDF verliert zwar sein Zugpferd,
aber den meisten Menschen ist das längst egal. Nach einer
Forsa-Umfrage, die jetzt das Magazin »Stern« veröffentlichte, werden
nur 13 Prozent der Sendung nachtrauern. Warum ist das so? Die Sendung
hat sich überlebt, sogar selbst überflüssig gemacht. Das betuliche
Konzept aus Wetten, die nur leicht variiert daherkamen (noch ein
Bagger und noch eine Bierkiste) und Auftritten von Film- und
Musikstars passte nur noch schlecht in eine Fernsehlandschaft, die
auf Zuspitzung, Emotion und Leistung setzt. So wie es »Deutschland
sucht den Superstar« oder »Das Supertalent« vormachen. Hier werden
Auftritte von Laien dramaturgisch zu Komödien, Tragödien und zu einer
Art Schmierentheater verdichtet. Hinzu kam, dass das starre Konzept
Moderatoren nur wenig Handlungsspielraum lässt. Deswegen sagte
übrigens Hape Kerkeling ab. Dass es überhaupt zu der peinlichen Suche
nach einem Nachfolger von Thomas Gottschalk kam, hätte sich vermeiden
lassen. Nach dem Unfall von Samuel Koch hätte das ZDF einen
Schlussstrich ziehen sollen, so wie es Gottschalk tat. »Wetten, dass.
. ?« - das war immer leichte, spaßige, verblüffende Unterhaltung. Mit
dem Drama um Samuel Koch verlor die Show ihre Unschuld. Trotzdem
hörte das ZDF nicht auf die Vernunft, sondern am Ende nur auf die
stetig sinkenden Einschaltquoten. Das Ende von »Wetten, dass. . ?«
bedeutet nicht automatisch das Ende der Samstagabendshow. Dass es
noch funktionieren kann, Millionen vor die Bildschirme zu locken,
beweisen Sendungen wie »Schlag den Raab«, »Das Supertalent«,
»Musikantenstadl« und »Willkommen bei Carmen Nebel«. Die beiden
letztgenannten Formate schalten junge Leute nicht ein - bei »Wetten,
dass. . ?« war das lange Zeit noch der Fall. Dies zeigt: Durch das
Internet, mehr TV-Sender und ein größeres Freizeitangebot haben sich
vor allem die Sehgewohnheiten jüngerer Leute verändert. Das
Lagerfeuer, an dem sich alle Generationen niederlassen, brennt nur
noch während der Fußballweltmeisterschaft. Und was kommt nach
»Wetten, dass. . ?« im ZDF? Der ehemalige Direktor des
Grimme-Instituts, Bernd Gäbler, befürchtet als Ersatz »massenhaft
Helene-Fischer-Shows« und betont: »Das wäre sicher nicht die
notwendige Innovation in der Unterhaltung.« Generell spricht nichts
dagegen, weiterhin kuriose Wetten in andere Shows einzubauen, aber
das muss in einem modernen Gewand geschehen.
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Datum: 12.12.2014 - 21:00 Uhr
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