Allgemeine Zeitung Mainz: Irreführung / Kommentar zu Schmidt und TTIP

Allgemeine Zeitung Mainz: Irreführung / Kommentar zu Schmidt und TTIP

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(ots) - Geheimniskrämerei hat immer den Beigeschmack von
Vertuschung und lässt breiten Raum für Spekulationen. Die Art, wie
viele Monate über das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der
EU und den USA verhandelt wurde, leistete einen immensen Beitrag zur
Verunsicherung der Verbraucher, denn auch wenn der Agrarbereich nur
einen Teil der Verhandlungsmasse ausmacht, so ist die Sensibilität
hier doch besonders hoch. Von daher tut die EU gut daran,
mittlerweile Dokumente mit angeblich auch für den Laien lesbaren
Erläuterungen zu veröffentlichen, wenn auch reichlich. Die
Verbraucherschützer, längst auf den Barrikaden, werden dies ebenso
wie Ernährungsminister Schmidts Verhandlungsmandat intensiv prüfen.
Denn abseits der Diskussion um Chlorhähnchen, Hormone und Klonfleisch
sind es vor allem Mängel im Bezeichnungsrecht, die sie seit Langem
umtreiben. Innerhalb der EU liegt da schon vieles im Argen, und die
Angst, dass das Abkommen Regeln weiter aufweichen könnte, wird erst
mal schwer auszuräumen sein. Wenn heute Schwarzwälder Schinken von
niedersächsischen Schweinen kommen kann, solange er nur im
Schwarzwald getrocknet oder gepökelt wird, ist das bereits sehr
fragwürdig. Wenn aber künftig das Wort "Rhine-Wine" - Rheinwein -
eine Flasche Rebensaft aus USA zieren darf, deren Inhalt aber auch
rein gar nichts mit unserer Weinregion zu tun hat, dann ist das
Irreführung der Verbraucher in höchstem Maße. Den hiesigen Winzern
würde zudem eine Konkurrenz drohen, mit der sie preislich nie werden
mithalten können. Das kleine Wort "like" als Zusatzhinweise, dass der
Wein nur "wie" Rheinwein ist, tröstet da kaum. Um vielen Menschen
hierzulande die Ängste vor TTIP zu nehmen, wird sich Schmidt noch
einiges einfallen lassen müssen.



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Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle


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