Westfalen-Blatt: zum Unwort des Jahres

Westfalen-Blatt: zum Unwort des Jahres

ID: 1159675
(ots) - Sprachwissenschaftler wie Politiker mögen es nur
gut meinen, und jeder Historiker wird ihnen beipflichten: Die
Verwendung der Vokabel »Lügenpresse« ist mehr als eine sprachliche
Entgleisung. Dennoch hat die Wahl des Begriffs »Lügenpresse« zum
»Unwort des Jahres« einen faden Beigeschmack. Sie misst vor allem der
»Pegida«-Bewegung eine Bedeutung bei, die sie nicht verdient.
Zugleich haben es die deutschen Medien nicht nötig, derart in Schutz
genommen zu werden. Die Vorwürfe einer »gleichgeschalteten Presse«
und einer von der Politik, den USA oder wem auch immer
»ferngesteuerten Berichterstattung« sind töricht. Tageszeitungen,
Zeitschriften, Radio- und Fernsehsender sowie alle, die professionell
journalistisch arbeiten, sollten selbstbewusst genug sein, sie an
sich abprallen zu lassen. Und wenn es anders wäre, dann nützte auch
die beste Unterstützung nichts mehr. Kein Zweifel: Ohne freie und
kritische Berichterstattung ist ein demokratischer Staat nicht zu
machen. Journalist zu sein ist mehr als ein Beruf. Und deshalb müssen
wir unsere Arbeit besonders gut machen. Am besten mit gründlicher
Recherche, kenntnisreicher, distanzierter Berichterstattung und
redlicher Gesinnung. Je besser wir das tun, desto gelassener können
wir Anfeindungen - welcher Art auch immer sie sein mögen - begegnen.
Und so lange diese Anfeindungen von einer so verschwindend geringen
Minderheit der Deutschen kommen, wie es bei »Pegida« der Fall ist,
ist unsere Demokratie wie auch unser Berufsstand in einer überaus
komfortablen Lage. Was gewiss nicht heißt, dass der Journalismus
immer fehlerfrei ist und - selbst wenn er es wäre - nicht stets noch
besser werden könnte. Wir tun also gut daran, selbstkritisch zu
bleiben, Information konsequent vor Sensation zu setzen und Fehler,
die passieren können und auch passieren, offen einzugestehen. Wenn es


dann noch gelingt, dass wir uns nicht wichtiger nehmen als unseren
journalistischen Auftrag, werden wir die Mehrheit der Menschen weiter
überzeugen können. Und zwar auch dann noch, wenn von »Pegida« schon
lange keiner mehr spricht.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Dagmar Unrecht zu Dschungelcamp Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zum Unwort des Jahres:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 13.01.2015 - 21:03 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1159675
Anzahl Zeichen: 2446

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Kunst und Kultur



Diese Pressemitteilung wurde bisher 284 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: zum Unwort des Jahres"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westfalen-Blatt (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

WESTFALEN-BLATT - Till Brönner: "Nichts aus Corona gelernt" ...
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un

34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder

NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in


Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt


Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Dagmar Unrecht zu Dschungelcamp ...
Man mag von Ziegenhoden-Snacks und Kakerlaken-Bädern halten, was man will: Der Erfolg gibt dem "Dschungelcamp" Recht. Die Show trifft den Geschmack vieler Zuschauer. Schon seit zehn Jahren ziehen Prominente, die keine mehr sind oder nie welche waren, in das Exotencamp ein, um dem Publ

Weser-Kurier: Kommentar von Hendrik Werner zum "Unwort des Jahres" ...
Sie skandieren "Volksverräter". Sie wettern gegen "Überfremdung". Sie beschwören den "Untergang des Abendlandes". Sie verunglimpfen Medien, die ihnen pauschal als "Lügenpresse" gelten. Wenn Pegida-Anhänger auf die Straße gehen, marschieren in ihren R

WAZ: Im Vollbesitz der ganzen Wahrheit - Kommentar von Jens Dirksen zu "Lügenpresse" ...
Selbstverständlich werden die Pegida-Demonstranten der "Lügenpresse" nicht glauben können, dass "Lügenpresse" zum Unwort des Jahres gewählt worden ist. Und sie werden wohl auch nicht wahrhaben wollen, dass es ein Propaganda-Begriff von Nazis ist, alten wie neuen. Das P

TwoTickets.de stellt MRS. GREENBIRD "Postcards Tour 2015" vor ...
Magdeburg, 12.01.2015. Der Veranstaltungskalender und Freikarten Club TwoTickets.de vergibt Freikarten für MRS. GREENBIRD am 14.03.2015 im Alten Theater (http://www.altes-theater.info/mrs-greenbird/) Magdeburg. Das deutsche Folk-Duo MRS. GREEBIRD ist ab dem 12. März 2015 auf Tournee durch Deut


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z