Allg. Zeitung Mainz: Warnstufe rot / Kommentar von Friedrich Roeingh zur Terrorbedrohung in Deutschland
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Anschläge in Paris war von Anfang an falsch. Nicht nur, weil schon
die Menschen in Madrid und London 2004 und 2005 fürchterliche
Bombenanschläge islamistischer Terroristen erleiden mussten. Auch
weil unmittelbar nach dem Sturm auf die Charlie-Hebdo-Redaktion klar
wurde, dass Tötungskommandos versprengter Dschihadisten jederzeit an
jedem Ort losschlagen können. "Al Kaida", so drückte es schon vor
Jahren der französische Politologe Gilles Kepel aus, "ist heute keine
Organisation mehr, sondern eine Methode". Eine Methode, die nicht
erst seit den Anschlägen von Paris auch die Sicherheit in Deutschland
bedroht. Die Festnahme der Sauerland-Gruppe (2007), der Mordanschlag
auf die US-Soldaten am Frankfurter Flughafen (2011) und der
missglückte Sprengstoffanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof (2012)
haben das gezeigt. Und natürlich hat die Rekrutierung junger
Migranten durch den Islamischen Staat die Sicherheitslage noch einmal
drastisch verschärft. Die Einschätzung, dass unsere
Sicherheitsbehörden nicht alle Terroranschläge verhindern werden, ist
keine Panikmache, sondern fast schon Gewissheit. Entscheidend sind
die Schlüsse, die wir aus dieser Bedrohungslage ziehen: Besonnen
bleiben, unsere Offenheit und Freiheit nicht aus Angst verkaufen,
Muslime nicht unter Generalverdacht stellen. Aber auch alle
notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen, international die
Vernetzung unter den Geheimdiensten optimieren und die muslimischen
Communities für den Aufbau eines gesellschaftlichen Frühwarnsystems
gewinnen. Es reicht nämlich nicht aus, Irak- und Syrien-Rückkehrer
ins polizeiliche Visier zu nehmen. Wir müssen den Nährboden
austrocknen, auf dem Salafisten und der IS den sogenannten Heiligen
Krieg zum Pop-Phänomen für junge Männer machen.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Werner Wenzel
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Datum: 16.01.2015 - 21:18 Uhr
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