Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
Die Griechenlandwahl und Europa
Die zweite Chance
Von Knut Pries, Brüssel
ID: 1164811
Euro-Krisenmanagement - weg von der knüppelharten Spar- und
Entschuldungspolitik, hin zu einem stärkeren Akzent auch auf Wachstum
und Sozialverträglichkeit - sind fast so alt wie die Krise selbst.
Schon verschiedentlich wurde eine Kurskorrektur ausgerufen. Die
italienischen Ministerpräsidenten Monti und Renzi, Frankreichs
Präsident Hollande und auch die Spitzenkandidaten im vergangenen
Europawahlkampf, Jean-Claude Juncker und Martin Schulz, haben jeweils
einschlägige Hoffnungen geweckt. In der Substanz hat sich wenig
geändert. Der Wahlsieg von Alexis Tsipras in Griechenland könnte nun
tatsächlich eine Trendwende bedeuten. In den vergangenen Monaten hat
sich bereits eine entsprechende Dynamik aufgebaut. Mehrere Elemente
wirken in dieselbe Richtung: Da ist die Geldpolitik des EZB-Chefs
Mario Draghi, vor allem das gewaltige Anleihenprogramm mit einem
Volumen von über einer Billion Euro; da ist Junckers
Investitionsoffensive, die noch in der Planung steckt, aber
Aussichten auf 315 Milliarden eröffnet; da ist die Talfahrt des Euro
mit ihrer Schubwirkung für die EU-Exportwirtschaft; da ist der
Absturz des Ölpreises, der Kaufkraft freisetzt; und da ist die
Bereitschaft der EU-Kommission, die Stabilitätsvorschriften der
Eurozone wachstumsfreundlicher auszulegen. Zu alledem kommt nun der
erste Fall von siegreicher Fundamentalopposition gegen den
Merkel-Kurs. Alexis Tsipras, heißt es, sei ein geschickter Populist.
Sein Triumph ist indes eine geradezu logische Quittung für die
sozialpolitische Blindheit, mit der das Euro-Management in
Griechenland vorgegangen ist. Man kannte da nicht Reich und Arm,
nicht Reeder und kleinen Krauter. Man kannte nur "die Griechen", und
die hatten angeblich alle über ihre Verhältnisse gelebt und sollten
nun den Gürtel enger schnallen. Die man nicht kennen wollte, haben
sich jetzt gemeldet. Es ist erstaunlich, dass es so lange gedauert
hat. Und keiner weiß, ob es womöglich schon zu spät ist. Für Tsipras
ist der versprochene Neuanfang eine Aufgabe, um die man ihn nicht
beneidet. Für die EU ist er eine zweite Chance, für die sie dem neuen
Mann in Athen dankbar sein sollte.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 26.01.2015 - 19:55 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1164811
Anzahl Zeichen: 2557
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 239 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR
Die Griechenlandwahl und Europa
Die zweite Chance
Von Knut Pries, Brüssel"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich
Verdi-Chef sieht Angriff auf alle Bereiche des Sozialstaats ...
Bielefeld. Der Chef der Vereinigten Dienstleistungsgesellschaft Verdi, Franke Werneke, warnt davor, Reformen auf dem Rücken der Beschäftigten durchzusetzen. "Es gibt gerade einen Angriff auf praktisch alle Bereiche des Sozialstaats - auf Arbeitnehmerrechte, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Mittelbayerische Zeitung: Bei der Bildung hakt es / Kommentar zur Tarifrunde in der Metallindustrie ...
Deftiger Donner begleitet alljährlich den Einstieg in die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Diese Lautstärke ist aber nur begrenzt aussagefähig, was die wirkliche Härte der aktuellen Auseinandersetzung betrifft. In diesem Jahr dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen: Es wird nich
Mitteldeutsche Zeitung: zu Griechenland ...
Die eigentliche Brisanz des Syriza-Erfolges liegt aus europäischer Sicht nicht in einer Gefahr für den Bestand des Euro, sondern in der absehbaren Stärkung linkspopulistischer, europakritischer Bewegungen in anderen Problemländern. Der Machtwechsel in Athen könnte eine politische Kräftever
Mitteldeutsche Zeitung: zu SPD und Linke in Sachsen-Anhalt ...
Wenn die Linke der SPD anbietet, schon jetzt gemeinsam über ein Regierungsprogramm nachzudenken, so sind dies taktische Spielereien. Würden die Sozialdemokraten auf diese Gespräche eingehen, wäre das das Ende der CDU/SPD-Koalition. Je näher der Wahltag rückt, desto stärker wird freilich de
Rheinische Post: Schuldenschnitt Kommentar Von Antje Höning ...
Am Tag, als der Schrecken der Euro-Zone als griechischer Ministerpräsident vereidigt wird, knallen an deutschen Börsen die Sektkorken. Der Dax erklimmt ein Allzeit-Hoch. Ist die Euro-Krise jetzt vorbei und Griechenland aus dem Schneider? Nein. Doch anders als vor fünf Jahren, als die Euro-Kri




