Westfalenpost: Gerd Höhler zu den Folgen der Wahl in Griechenland
Gefahr. Die Währungsunion gerät durch den Wahlsieg der radikalen
Linken in Griechenland nicht ins Wanken, und auch nicht durch ihr
Bündnis mit den in manchen Punkten noch radikaleren Rechtspopulisten.
Anders als 2012, als Griechenland schon einmal am Abgrund der
Staatspleite stand, verfügt die Euro-Zone heute über ein
Instrumentarium zum Krisenmanagement. Es gibt den Rettungsfonds ESM
und die Bankenunion. Die anderen Problemländer wie Irland, Portugal
und Spanien haben die Krise hinter sich gelassen und können sich
wieder zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt refinanzieren.
Das nimmt dem Syriza-Wahlsieg für die Politiker und Bürger
der Euro-Zone einen Großteil seines Schreckens. Die Griechen haben
aber durchaus Grund, sich Sorgen zu machen. Für sie gerät der Euro
durchaus in Gefahr. Tsipras selbst mag inzwischen erkannt haben, dass
seine radikalen Thesen eine Sache sind, die politischen und
ökonomischen Realitäten aber eine ganz andere. Er hat deshalb manche
seiner Positionen bereits im Wahlkampf deutlich abgemildert. Die
eigentliche Brisanz des Syriza-Erfolges liegt aus europäischer Sicht
nicht in einer Gefahr für den Bestand des Euro, sondern in der
absehbaren Stärkung linkspopulistischer, europakritischer Bewegungen
in anderen Problemländern. Der Machtwechsel in Athen könnte eine
politische Kräfteverschiebung in Südeuropa einleiten. Umso dringender
wird es, die bisherige Rettungsstrategie zu überdenken. In
Griechenland jedenfalls hat sich der sterile Austeritätskurs als
Irrweg erwiesen.
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Datum: 26.01.2015 - 22:17 Uhr
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