FZ: Es reicht!
Kommentar der "Fuldaer Zeitung" zu Griechenland/Troika
ID: 1167155
schlimmsten Befürchtungen, die man im Wahlkampf angesichts der Wut
der Hellenen auf EU und eigenes Establishment haben musste. Dass ein
Mann wie Gianis Varoufakis, der im Radio einmal Selbstmordattentate
gegen Israelis rechtfertigte, Finanzminister wird, ist für sich schon
ein Tiefpunkt der politischen Kultur und ein Armutszeugnis für ein
Land, das wir Europäer gerne als die Wiege der Demokratie bezeichnen.
Doch es kommt von Tag zu Tag dicker: Dass die Griechen aus der bis
dato relativ konsensualen Russland-Politik der EU in der
Ukraine-Frage ausscheren und sich ausgerechnet Putin anbiedern, ist
schon ein starkes Stück. Und dann der Rausschmiss der Troika, jenem
Gremium aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds
und EU-Kommission, das in Athen im Auftrag der Geldgeber die
Einhaltung der Auflagen kontrolliert.
Wenn das so weitergeht, dann wird die neue griechische Regierung
in Kürze so viel Porzellan zerschlagen, dass von den kleinen
Fortschritten, die in den vergangenen Monaten mühsam erzielt wurden,
nichts übrig bleibt. Die Frage ist generell, wie lange sich der Rest
Europas von einer radikalen Regierung, die in grenzenlosem Populismus
mit dem alternativlosen Reformkurs bricht, auf der Nase herumtanzen
lassen will. Wenn sich die Dankbarkeit für Hunderte
Rettungsmilliarden in einer - überspitzt formuliert - Kriegserklärung
an die EU ausdrückt, dann ist es an der Zeit, Tugenden wie Langmut
und Geduld über Bord zu werfen und sich darauf zu konzentrieren, den
endgültigen Bruch vorzubereiten.
Schon im März könnte es zum Showdown kommen: Dann braucht das Land
neues Geld. Ohne frisches Kapital droht die Staatspleite. Noch sind
die Geberländer, allen voran die Bundesregierung, am Hadern - aus
gutem Grund: Werden die Hilfsprogramme wieder und wieder verlängert,
bleibt zumindest ein Fünkchen Hoffnung, dass Griechenland gerettet
werden kann und unsere Milliarden nicht verloren sind. Auf der
anderen Seite stärkt jeder weitere Euro, der nach Athen fließt, die
Euroskeptiker wie die AfD, die längst den Glauben an die Politik der
Bundesregierung verloren haben. Kommt es zum Bruch mit Griechenland
und dem Austritt aus der Gemeinschaftswährung, sind die Folgen nicht
überschaubar. Die Ereignisse dieser Woche geben gleichwohl eher denen
Recht, die predigen: Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne
Ende. / Bernd Loskant
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Datum: 30.01.2015 - 19:56 Uhr
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