Allg. Zeitung Mainz: Zweierlei Maß / Kommentar zu Cannabis als Arznei
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Sinne benebelt und von der Wirklichkeit entfremdet, die regelmäßig
und in hohen Dosen genossen ein Rauschgift ist, gefährlich für den
Verstand: Diese schädliche Wirkung hat der Konsum von Haschisch oder
Marihuana gemein mit dem übermäßigen Genuss von Wein und Bier. Es
gibt allerdings ein paar bemerkenswerte Unterschiede: In Deutschland
wird Haschisch kriminalisiert, wobei die Zahl derer, die infolge von
Cannabis-Konsum sterben, weltweit auf zwei geschätzt wird. Für
Alkohol hingegen darf verharmlosend geworben werden, er steigere die
Lebensfreude - während über die alljährlich 75_000 Alkoholtoten gerne
geschwiegen wird. Alkohol gibt es längst schon in Arzneimitteln.
Während es künftig Cannabis als Arzneimittel geben soll. So will das
die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Und die ist in der CSU. Es
mag für ihren erstaunlichen Vorstoß einige gute Argumente geben.
Vermutlich lindert die Droge tatsächlich Schmerzen und hat vielleicht
eine schützende Wirkung gegen bestimmte Tumorarten. Nur muss das mit
Tests exakt nachgewiesen und in Zulassungsverfahren bestätigt werden.
Dann, aber nur dann kann Cannabis als Medikament auch auf Kosten der
Kassen verschrieben werden. Warum auch nicht? Das allein ändert
freilich nichts an unserem willkürlichem Umgang mit den verschiedenen
Drogen, bei dem wir mit zweierlei Maß messen. Alkohol hui, Haschisch
pfui - diese Einordnung hält keiner wissenschaftlichen Untersuchung
stand. Für beide Rauschmittel gilt von jeher: Erst die Dosis macht
das Gift.
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Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle
Newsmanager
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Datum: 03.02.2015 - 19:46 Uhr
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