Bayer gegen BUND - Streit um Bienengefährlichkeit von Pestiziden geht vor Gericht
ID: 1175140
Düsseldorfer Landgericht darüber verhandelt, ob der Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND) seine Aussage wiederholen darf,
zwei von Bayer hergestellte Pestizide seien für Bienen gefährlich.
Der Pestizidhersteller Bayer CropScience hatte dazu Ende letzten
Jahres eine einstweilige Verfügung gegen den BUND erwirkt. Als
Begründung wurde angegeben, der BUND habe die Bayer-Produkte
"Schädlingsfrei Calypso" und "Zierpflanzenspray Lizetan" in
Publikationen ungerechtfertigt als für Bienen gefährlich bezeichnet.
Der in diesen Produkten enthaltene Wirkstoff Thiacloprid, der zu den
sogenannten Neonikotinoiden gehört, habe jedoch eine gültige
Zulassung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und
Lebensmittelsicherheit (BVL) und werde von ihr als
"bienenungefährlich B4" eingestuft. Der BUND darf daher seine Aussage
derzeit nur wiederholen, wenn er zugleich auf die behördliche
Zulassung hinweist.
Auslöser des Streits war eine vom BUND 2014 veröffentlichte
Broschüre mit dem Titel "Pestizidverkauf in Bau- und Gartenmärkten -
BUND-Einkaufscheck", mit der die Umweltschützer darauf aufmerksam
machten, dass Verkäufer in Garten- und Baumärkten die Kunden sehr
häufig falsch über den Einsatz verschiedener Unkraut- und
Insektenbekämpfungsmittel informierten.
"In dem Vorgehen von Bayer sehen wir nicht nur den Versuch einer
Einschränkung der freien Meinungsäußerung. Inakzeptabel ist auch das
Ignorieren wissenschaftlicher Erkenntnisse seitens des Unternehmens.
Fakt ist, die in Pestiziden enthaltenen Neonikotinoide stehen im
dringenden Verdacht, das weltweite Bienensterben mit zu verursachen.
Deshalb werden wir auch in Zukunft vor diesen die Bienen gefährdenden
Stoffen warnen. Wir fordern das zuständige Bundesamt auf, Thiacloprid
umgehend vom Markt zu nehmen. Und da wir die derzeit gültige
Zulassung für falsch halten, müssen wir aus unserer Sicht auch nicht
jedes Mal darauf hinweisen, dass dieser Wirkstoff als
bienenungefährlich zugelassen ist", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert
Weiger.
Bayer CropScience verwendet in mehreren seiner Präparate
Thiacloprid. Dieser Pestizidwirkstoff beeinträchtigt Kommunikation,
Navigation und die Pollensammeltätigkeit der Honigbienen. Das belegen
Forschungsergebnisse, die der Neurobiologe Prof. Randolf Menzel von
der Freien Universität Berlin bereits im März 2014 veröffentlicht
hat. Das staatliche Deutsche Bienenmonitoring (DEBIMO) gab zudem
ebenfalls 2014 bekannt, dass Thiacloprid am häufigsten als Rückstand
im sogenannten "Bienenbrot", dem von den Bienen neben dem Honig
produzierten Pollenmaterial, nachgewiesen wird.
Nach Ansicht des BUND müssten die Studien zu den Gefahren durch
Thiacloprid dem Unternehmen Bayer CropScience bekannt sein. "Trotz
der Erkenntnisse über die Bienenschädlichkeit von Thiacloprid druckt
Bayer auf seine Produkte Schädlingsfrei Calypso und Lizetan
Zierpflanzenspray ein Logo mit der Benennung 'nicht
bienengefährlich', was auch der behördlichen Einstufung entspricht",
sagte die BUND-Chemieexpertin Patricia Cameron. "Auf keinem Produkt
darf `nicht bienengefährlich' draufstehen, wenn auch nur der Verdacht
einer Bienengefährlichkeit besteht. Bienen sind die wichtigsten
Nutzinsekten der Welt, ihr Schutz muss oberste Priorität haben. Dem
muss auch Bayer Rechnung tragen, das seine Produkte gern als
ökologisch und nachhaltig bewirbt", sagte Cameron.
Neonikotinoid-Wirkstoffe gelten mit als Auslöser des weltweit zu
beobachtenden Bienenvölkersterbens. Daher hatte die EU-Kommission ab
1. Dezember 2013 die Zulassung für drei Neonikotinoide zunächst für
zwei Jahre für bienenrelevante Kulturen wie zum Beispiel Raps
eingeschränkt. Dagegen klagen die Hersteller Bayer und Syngenta
derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:
www.bund.net/bayer
Einen Hintergrund "Fragen und Antworten" zum Streit Bayer contra
BUND finden Sie im Internet unter: www.bund.net/bayer-faq
Pressekontakt:
Annika Natus, BUND-Pressereferentin, Tel. 030-27586-425/-489, am
23.2.15 in Düsseldorf mobil unter 0157-87008635, E-Mail:
presse@bund.net, www.bund.net
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Datum: 19.02.2015 - 10:59 Uhr
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