NOZ: Interview Medien mit Gianna Nannini, Rocksängerin
ID: 1179294
belehrt mich beim Singen
Italienische Rock-Diva fühlt sich in der Mutterrolle pudelwohl -
Missbildung in den Stimmbändern
Osnabrück.- Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini ("Latin
Lover") ist begeistert vom musikalischen Gehör ihrer vierjährigen
Tochter. "Manchmal unterbricht Penelope mich, wenn ich ein Lied
anders singe oder eine Melodie variiere", sagte die 58-Jährige im
Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). "Dann sagt
sie: 'Stopp, Mamma, das ist falsch. Du musst anders singen. "Sie
belehrt mich anstatt ich sie." Zuhause stelle sie weder das Radio
noch einen Verstärker an, sagte Nannini. "Wir machen nur rein
akustische Musik und klatschen dabei in die Hände und tanzen - wie in
Afrika. Penelope mag kein Radio. Ich denke, das kommt daher, dass ich
während der Schwangerschaft so oft im Abbey-Road-Studio war und viel
mit Streichern zusammengearbeitet habe. Die Frequenz ist gut für
Babys im Bauch." In ihrer Mutterrolle fühlt sich die Rocklady
pudelwohl: "Es ist viel besser und angenehmer als vorher. Denn nun
kann ich mein Leben jemandem widmen, einem menschlichen Wesen, das
ich über alles liebe. Vorher war da niemand in dieser Weise. Jetzt
ist die Liebe zu meiner Tochter die wichtigste Liebe in meinem
Leben." Zur Mutterpflicht gehöre es natürlich auch, Einschlaflieder
zu singen. "Ich hatte das gängige italienische Repertoire schon
ziemlich schnell durch, und es wirkte nicht mehr. Dann erfand ich
selbst ein Schlaflied." Darin gehe es um genervte Eltern, die Stress
haben ihre Kinder zum Schlafen zu bringen. "Aber wenn ich dieses
Schlaflied singe, lacht Penelope immer und schläft gleich ein", so
Nannini. Ihr Stimm-Phänomen erklärt die Sängerin so: "Ich rauche
nicht und trinke nicht viel. In meiner Stimme habe ich einfach ganz
viele Harmonien, so wie man sie bei den Frauen in Nordafrika oder im
Flamenco in Spanien hört. Ich habe eine bestimmte Stimmtechnik
entwickelt, weil ich einen Sulcus, eine Art Furche, in den
Stimmbändern habe. Für jemand anderen kann das ein großes Handicap
sein, für mich ist es gut. Ich kann aus dieser vermeintlichen
Missbildung einen Vorteil ziehen."
Nannini, die ab 10. März mit "Rock meets Classic" durch die
Republik tourt, ist ein großer Fan von Deutschland: "Ich bewundere
zum Beispiel das Sozialsystem, die Art, wie Deutschland mit
Behinderten, Kranken, Pflegebedürftigen, Arbeitslosen und Menschen
mit Problemen umgeht, und für Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser
sorgt. Ich mag die Logik der Deutschen", sagte die Italienerin in dem
Gespräch. "Die Deutschen lieben Italien und somit auch meine
italienische Art und haben mich ermutigt, meine Wurzeln auf der Suche
nach meiner eigenen Rockmusik nicht zu verleugnen. In Italien gab es
zu der Zeit viel mehr Hürden und Vorbehalte."
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Datum: 28.02.2015 - 07:00 Uhr
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