Westfalenpost: Bluttest für Schwangere

Westfalenpost: Bluttest für Schwangere

ID: 1180073
(ots) -

In Deutschland werden 95 Prozent der Embryonen
abgetrieben, bei denen eine Chromosomen-Störung festgestellt worden
ist. Angesichts dieser Zahl drängt sich die Frage auf, ob die
Hemmschwelle, ein Kind mit Behinderung abzutreiben, durch einen
einfachen Bluttest überhaupt noch viel tiefer sinken kann?

Der Test ist längst verfügbar - für die, die ihn privat
bezahlen. Er wird sich nicht mehr verhindern lassen, selbst wenn die
gesetzlichen Kassen die Kosten auch in Zukunft nicht übernehmen. Es
wäre auch den Eltern nicht zuzumuten, die vielleicht nur Gewissheit
über ihr Kind haben möchten, die ihm so früh wie möglich alle Hilfen
geben, sich und ihr Baby dem nunmehr unnötigen Risiko einer
Fruchtwasseruntersuchung auszusetzen. Und diejenigen, die ein Leben
mit einem Down-Syndrom-Kind fürchten, lassen sich durch mehr Kosten
und Mühen kaum abhalten, diese Methode der vorgeburtlichen Diagnostik
in Anspruch zu nehmen.

Statt den Test zu verhindern, muss
sich die Gesellschaft der Diskussion stellen, wie sie mit behinderten
Menschen umgehen will. Statt den Test zu verhindern, muss die Politik
die Angst vor dem Leben mit einem Handicap nehmen. Sie muss dafür
sorgen, dass werdende Eltern die Gewissheit haben, den Alltag mit
einem behinderten Kind in dieser Leistungsgesellschaft meistern zu
können, ohne sich selbst ganz aufzugeben. Es braucht mehr
selbstverständliche Unterstützung, ohne dass Väter und Mütter hart
darum kämpfen müssen. Und schließlich gilt es, das Ideal der
Inklusion besser umzusetzen. Denn nur wenn werdende Eltern in ihrem
Umfeld erfahren haben, wie lebenswert und glücklich ein Leben mit
Behinderung sein kann, werden sie sich für ein Baby mit dieser
Diagnose entscheiden.





Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160



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Datum: 02.03.2015 - 20:04 Uhr
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