Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Steinbrück

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Steinbrück

ID: 1182974
(ots) - Späten Politiker-Bekenntnissen wohnt nicht
selten der Hang zur Abrechnung inne. Das ist bei Peer Steinbrück ein
wenig anders. Die zwar nicht neue Erkenntnis, seine Kanzlerkandidatur
sei ein Fehler gewesen, stellt immerhin ein bemerkenswertes Maß an
Selbstkritik unter Beweis. Zugleich hält der Buch-Autor selbstbewusst
fest: Auch die SPD hat ihren Anteil am vermurksten Wahlkampf 2013.
Ganz klar: Da ist jemand auch darum bemüht, das eigene Ansehen
aufzupolieren. Doch das ist nicht alles. Denn wenn das Debakel nur
Steinbrück beschädigt hätte, müsste es die SPD nicht sonderlich
interessieren. Doch so rosig ist die Lage der Partei ja nicht.
Steinbrücks Kritik lässt sich nicht einfach als Nachtreterei abtun.
Im Gegenteil: Hier geht es nicht um bloße Vergangenheitsbewältigung,
sondern um eine brandaktuelle Debatte in der SPD. Wohin muss die
Reise gehen, um endlich aus dem 25-Prozent-Turm rauszukommen, in den
die Bundespartei seit Jahr und Tag eingesperrt scheint? Genau auf
diese Frage sucht Sigmar Gabriel eine Antwort. Noch tut er das nur
als Parteichef. Doch so wie die Sache liegt, wird er in spätestens
zwei Jahren auch als Kanzlerkandidat dazu vernommen werden. Schreiben
sich nämlich die gegenwärtigen Kräfteverhältnisse fort, wird Gabriel
einen Rivalen im Rennen um das Amt des nächsten SPD-Kanzlerkandidaten
kaum fürchten müssen. Das freilich läge dann weniger an seiner
Strahlkraft als an der Aussichtslosigkeit des Unterfangens, so es
denn, wie zu erwarten, erneut gegen die Überkanzlerin Angela Merkel
ginge. Strategisch hat Gabriel längst seine Schlüsse aus der
krachenden Steinbrück-Pleite gezogen. Agiert er doch als
Wirtschaftsminister weit moderater, als es insbesondere dem linken
Flügel der SPD recht ist. Energiewende, TTIP, Steuerpolitik - der
Chef eckt mit seinem klar auf die politische Mitte ausgerichteten


Kurs andauernd in der eigenen Partei an. Wie zum Beweis unterstreicht
sein Besuch in Saudi-Arabien, in welchem Spannungsfeld zwischen
ökonomischen und geopolitischen Interessen auf der einen Seite und
SPD-Wünschen andererseits sich der Vizekanzler bewegt. Dabei hat
Gabriel stets viel zu verlieren, aber nur wenig zu gewinnen - egal,
was er sagt und wie er auch handelt. Das ist das Dilemma der SPD, die
sich links definiert, aber weiß, dass sie ohne die Mitte für den
großen Sieg nicht in Frage kommt. Erst recht, wenn sie ein rot-grünes
oder gar ein rot-rot-grünes Bündnis anstrebt, müsste sie dann doch
gerade die Stimme der wirtschaftspolitischen Vernunft sein. Das
bestätigt auch eine am Wochenende bekanntgewordene Studie, die der
SPD ein »gravierendes Imageproblem« attestiert. Daher rührte auch der
zentrale Fehler bei der Nominierung Steinbrücks. Ein Kandidat der
Mitte sollte ein linkes Programm postulieren. Das konnte nicht gut
gehen. Wenn es die SPD also 2017 ernsthaft mit Sigmar Gabriel
versuchen will, muss sie sich auf seinen Kurs einlassen. Will sie es
nicht, ist er der falsche Kandidat.



Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Vorratsdatenspeicherung Schwäbische Zeitung: Neue deutsche Außenpolitik
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 08.03.2015 - 21:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1182974
Anzahl Zeichen: 3406

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 310 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Steinbrück"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Westfalen-Blatt (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

WESTFALEN-BLATT - Till Brönner: "Nichts aus Corona gelernt" ...
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un

34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder

NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in


Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt


Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Vorratsdatenspeicherung ...
Wer telefoniert wann und wo mit wem wie lange? Diese Daten werden von allen Telefonanbietern erfasst und nach einiger Zeit gelöscht. Warum sollen die Telefonanbieter nicht verpflichtet werden, die Daten drei Monate aufzubewahren? Dann könnten Polizisten nach schweren Straftaten einen richterli

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur EU-Armee ...
Eine militärische Zusammenarbeit ist in der Europäischen Union längst zum Alltag geworden. Das ist auch gut so. Ob sich der Vorschlag des Kommissionspräsidenten in den nächsten 20 Jahren verwirklichen lässt, ist mehr als fraglich. Der Deutsche Bundestag wird sich kaum die Kompetenz nehmen

Neue Westfälische (Bielefeld): Rücknahmepflicht bei alten Elektrogeräten¶ Gesetz allein reicht nicht¶ VON AMINA VIETH¶ ...
Weg von der Wegwerfgesellschaft und hin zum bewussten Umgang mit den begrenzten Ressourcen, die Hersteller in die Pflicht nehmen, den Fokus auch auf die Langlebigkeit der Produkte richten - das ist der richtige Ansatz. Er reicht jedoch noch lange nicht aus. Denn nur, wenn auch die Verbraucher sic

Neue Westfälische (Bielefeld): Vorratsdatenspeicherung¶ Unsicherheit über Sicherheit ¶ CARSTEN HEIL¶ ...
Die Debatte um die Vorratsdatenspeicherung wird von Undurchsichtigkeiten geprägt. Richtig, Sicherheit hat ihren Preis. Nur, wie hoch soll der sein? Und was bekommen die Deutschen, wenn die Vorratsdatenspeicherung erlaubt wird? Leben die Menschen in Deutschland sicherer, wenn sie alle ohne konkr


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z