DBU: Umweltauswirkungen bei neuen Medikamenten stärker berücksichtigen
ID: 1183730
Umgang mit Arzneimitteln
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fordert bessere
Nachhaltigkeitsbewertungen pharmazeutischer Produkte und eine
stärkere Berücksichtigung der Umweltauswirkungen bei der Entwicklung
neuer Wirkstoffe. "Es gibt eine ganze Reihe vielversprechender
Ansätze, um Umweltbelastungen durch das Ausscheiden nicht abgebauter
Wirkstoffe von Medikamenten bei Mensch und Tier deutlich zu
verringern", betont heute DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich
Bottermann.
Gemeinsam mit weiteren DBU-Experten hatte Bottermann die
Ergebnisse einer jüngst in Osnabrück von der DBU ausgerichteten
Fachtagung ausgewertet und daraus Schlüsse gezogen. So könnten etwa
mit einer personalisierten Medizin oder dem Anwenden anderer
Darreichungsformen sowie neuen Techniken wie dem "drug targeting",
dem selektiven Anreichern eines Arzneistoffs am gewünschten Wirkort
nach systemischem Verabreichen eines Medikaments,
Arzneimitteleinträge in die Umwelt zumindest vermindert werden.
Arzneimittelrückstände in der Umwelt seien überall auf der Welt ein
Problem, betont Bottermann.
Umso sorgsamer sollten die Human- und Tiermedizin mit
Arzneimitteln umgehen, damit die Restwirkstoffe nicht mehr in
Oberflächengewässer, Grund- und Trinkwasser, Böden oder Gülle
gelangten. Sie könnten die Umwelt belasten und die Entwicklung von
Wasserlebewesen gefährden. Bisher seien nur vereinzelt Spuren dieser
Mikroschadstoffe im Trinkwasser nachgewiesen worden. Eine
unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit bestehe nicht. Das
müsse aber auch so bleiben.
Bottermann sieht verschiedene Wege zum Vermeiden von
Arzneimitteleinträgen, die heute mit dem gereinigten Abwasser aus den
Kläranlagen oder über den Gülle-Dünger in die Umwelt gelangten: "Ein
wichtiger Ansatz ist es, die Dosierung der Arzneimittel so zu
gestalten, dass die Menge ausgeschiedener Wirkstoffe verringert wird.
Mit Blick auf den Einsatz von Antibiotika muss geltendes Recht gerade
in der Tierhaltung konsequent eingehalten werden, wonach ein
vorbeugendes Verabreichen nicht erlaubt ist." Auch mit besseren
Hygiene- und Prophylaxemaßnahmen in der Tierhaltung könne der Einsatz
von Antibiotika deutlich verringert werden.
Um den Eintrag von Arzneimitteln in die Umwelt zu verringern,
fördere die DBU bereits seit vielen Jahren unterschiedliche
Lösungsansätze, wie Bottermann erklärt: "Dazu gehören Arzneimittel,
die bei gleicher Wirksamkeit bereits im Körper möglichst vollständig
abgebaut und nicht mehr ausgeschieden werden."
Auch ein verbessertes Stall- und Abluftmanagement sowie die
Darreichungsform von Medikamenten könnten ein unkontrolliertes
Ausbreiten antibiotischer Wirkstoffe verhindern, indem die
Medikamente etwa in Pellet- statt Pulverform an Tiere verabreicht
würden. Es sei mittlerweile erwiesen, dass sich beim Anwenden von
Pulvern die Wirkstoffe über Stallstaub und Lüftungsanlagen
verbreiteten. Neben gesunden Tieren nähmen auch Landwirte und
Tierärzte, die in den Ställen arbeiteten, diese Substanzen auf. Aber
nicht nur Antibiotika, sondern Arzneimittel generell könnten
ungewollte Auswirkungen auf die Umwelt haben.
Bestimmte Antiepileptika und Betablocker gegen Bluthochdruck
würden die Organe von Fischen schädigen, das
Empfängnisverhütungsmittel Ethinylestradiol verändere die
Geschlechtsmerkmale bei Fischen, Psychopharmaka hätten Einfluss auf
das Verhalten von Barschen.
Bottermann: "Die Grundlage für alle Maßnahmen zum Verhindern von
Arzneimitteleinträgen in die Umwelt sind ein besseres und
flächendeckendes Umweltmonitoring sowie eine stärkere
Wirkungsforschung. Über viele Stoffe und deren Auswirkungen fehlen
Langzeitstudien und Erkenntnisse, die ein Gegensteuern erst möglich
machen." Zu dem DBU-Forum "Sanfte Medizin für sauberes Wasser" waren
Wissenschaftler und Experten aus Politik, Wasserwirtschaft und
Medizin nach Osnabrück gekommen, um die aktuellen Fragen und
Herausforderungen zur Umweltrelevanz von Arzneimittelrückständen in
der Umwelt zu diskutieren.
Das DBU-Positionspapier im Wortlaut hier: http://ots.de/Gtv0E
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Datum: 10.03.2015 - 09:00 Uhr
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