Luftwaffe: Transporthubschrauber-Einsatz nur noch mit "erhöhtem Risiko" - Verteidigungspolitiker fordern Aufklärung
ID: 1184323
einem ihrer wichtigsten Transport-Hubschrauber. Nach Informationen
von NDR Info und Tagesschau.de gibt es innerhalb der Luftwaffe
offensichtlich große Zweifel, ob der Hubschrauber vom Typ CH-53GS
weiter verwendet werden kann. Das geht aus einer internen
Bestandsaufnahme des "Kommandos Luftwaffe" hervor, die beiden Medien
vorliegt.
In dem als Verschlusssache eingestuften Schreiben ("nur für den
Dienstgebrauch") kommt die Luftwaffe zu dem Ergebnis, dass die mit
einer speziellen Sicherheitsausstattung ausgerüstete Baureihe
veraltet ist. Wortwörtlich schreibt das Kommando: "Die Baureihe GS
[ist] von Obsoleszenzen betroffen, deren Beseitigung durch eine
Rüstungsmaßnahme weiterhin nicht entschieden wurde. Insofern besteht
ein erhöhtes Risiko ab 2016 in der grundsätzlichen weiteren Nutzung
der Baureihe."
Sollte sich an dieser Bestandsaufnahme nichts ändern, könnte das
erhebliche Folgen für die Bundeswehr und die von ihr eingegangenen
internationalen militärischen Verpflichtungen haben. Drei
Transporthubschrauber setzt die Bundeswehr momentan in Afghanistan im
Rahmen des "Resolute Support"-Mandats ein. 2015, so die Luftwaffe in
dem internen Schreiben weiter, lasse sich diese Verpflichtung noch
aufrecht erhalten, "eine Fortführung des Einsatzes in 2016 ist mit
technischem Personal nicht darstellbar." Dieses Personal ist für die
aufwändige Instandhaltung der Maschinen notwendig.
Engpässe gibt es vor allem deswegen, weil das
Bundesverteidigungsministerium damit begonnen hat,
Luftwaffen-Standorte zu schließen bzw. bisher an angestammten
Standorten wahrgenommene Aufgaben neu zu verteilen und zu verlegen.
Davon betroffen sind Rheine und Diepholz. Die Bundeswehr nutzt den
CH-53 nach eigenen Angaben seit 1975.
Ein Sprecher der Luftwaffe wies die in dem internen Schreiben
dargestellten Probleme zurück. Schriftlich teilt er mit:
"Einschränkungen, die sich auf den Grundbetrieb in Deutschland
beschränken, haben keine Auswirkungen auf den Einsatz "Resolute
Support." Zudem sei noch nicht darüber entschieden, ob die Luftwaffe
so wie 2015 auch 2016 in Afghanistan eingesetzt werde.
Verteidigungspolitiker von SPD und Grünen im Bundestag fordern
jetzt trotzdem Aufklärung. Der Vorsitzende des
Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag und zukünftige
Wehrbeauftragte, Hans-Peter Bartels, sagte NDR Info und
Tagesschau.de: "Wenn so gravierende Mängel da sind, personell und was
die materielle Einsatzfähigkeit angeht, dann muss dringend
nachgesteuert werden. Man kann dieses Problem nicht verdrängen und
wegdrücken wie bei anderen Problemen mit der Einsatzfähigkeit von
Material auch, weil dieser Hubschrauber noch für zehn bis 15 Jahre
fliegen soll."
Ähnlich fiel die Kritik von Agnieszka Brugger,
verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen im Deutschen Bundestag,
aus: "Man kann Probleme nicht lösen, wenn man sich einredet, dass man
keine hat. Deswegen bin ich über diesen Vorgang sehr verärgert."
Reinhard Schlepphorst, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der
Flugzeug- und Hubschrauberbesatzungen bei der Bundeswehr (IGTH),
betonte, ein reibungsloser Grundbetrieb in Deutschland sei
Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung des
Auslandseinsatzes. "Man kann das nicht so darstellen, als wenn der
Grundbetrieb völlig losgelöst vom Einsatz betrachtet werden kann", so
Schlepphorst weiter. Die offizielle Haltung der Luftwaffe ist für ihn
"Ausdruck eines mangelnden Problembewusstseins".
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralf Pleßmann
Tel: 040-4156-2333
http://www.ndr.de
https://twitter.com/ndr
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 11.03.2015 - 01:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1184323
Anzahl Zeichen: 4154
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Hamburg
Kategorie:
Bundeswehr
Diese Pressemitteilung wurde bisher 495 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Luftwaffe: Transporthubschrauber-Einsatz nur noch mit "erhöhtem Risiko" - Verteidigungspolitiker fordern Aufklärung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
NDR Norddeutscher Rundfunk (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Täglich nutzen 6,13 Millionen Menschen die linearen Radioangebote des Norddeutschen Rundfunks bundesweit. Im Sendegebiet des NDR sind es 5,31 Millionen. Das ist das Ergebnis der Media-Analyse 2026 Audio II. Hohe Gewinne verzeichnet NDR 1 Radio MV und ist damit meistgehörtes Radioprogramm in Meckle
Drehstart für NDR „Nordlichter“-Film „Mama?“ mit Harriet Herbig-Matten und Ludger Bökelmann ...
Eine junge Mutter, die aus Sehnsucht nach Liebe ihre Kinder sich selbst überlässt, steht im Zentrum des neuen NDR „Nordlichter“-Kinofilms „Mama?“ (Arbeitstitel), der bis zum 14. August in Hamburg, Niedersachsen und Bremen entsteht. „Mama?“ erzählt von Tini (Harriet Herbig-Matten), e
Seele verkauft? - NDR Podcast „Wem gehört Wacken? Metal, Mythos, Millionen“ ab sofort in ARD Sounds ...
Riesige Bühnen, epische Schlammschlachten und eine einzigartige Festivalgemeinschaft: Das Wacken Open Air ist längst mehr als ein Musikfestival. Im neuen NDR Podcast „Wem gehört Wacken? Metal, Mythos, Millionen“ erzählt Journalistin Maja Bahtijarevi? ab dem 9. Juli 2026 in der ARD Audiothek
Weitere Mitteilungen von NDR Norddeutscher Rundfunk
Otte: Hubschraubervertrag angepasst - Ausrüstungssituation verbessert ...
Bundeswehr stellt Seenotrettung und Luftrettung sicher Der Verteidigungsausschuss des Bundestages hat am heutigen Mittwoch die Rahmenvereinbarung Hubschrauber genehmigt. Dazu erklärt der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Henning Otte: "Mi
Ein Schritt in Richtung Zukunft: Der gehobene technische Verwaltungsdienst in der Fachrichtung Wehrtechnik (FOTO) ...
42 Absolventen und Aufsteiger des gehobenen technischen Verwaltungsdienstes - Fachbereich Wehrtechnik erhielten am 26. Februar 2015 am Bildungszentrum der Bundeswehr in Mannheim ihre Abschlusszeugnisse. Ihre Ernennungsurkunden zum Beamten auf Probe bekamen sie aus den Händen von Georg Stuke
Pazderski: Stärkere Befugnisse für den Wehrbeauftragten ...
Zu den aktuellen Fehlentwicklungen in der Bundeswehr erklärt der Vorsitzende des Bundesfachausschusses "Internationale Verantwortung Deutschlands" der Alternative für Deutschland, Georg Pazderski: "Eine demoralisierte Armee, unterforderte Rekruten, nicht quantifizierbare Aus
Verteidigungsministerin will Ausrüstungslücken schließen / Wüstner: Endlich Schluss mit der Mangelverwaltung!? ...
Der Deutsche BundeswehrVerband begrüßt die Ankündigung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Bundeswehr aus der Mangelverwaltung zu führen und die materielle Ausstattung schrittweise zu verbessern. Der Bundesvorsitzende Oberstleutnant André Wüstner: "Häufig wurden




