Rheinische Post: Athen muss Realitäten
zur Kenntnis nehmen
Kommentar Von Martin Kessler
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Realität. Die hat nun endlich Einzug gehalten in der griechischen
Regierung. Ministerpräsident Tsipras und sein umtriebiger
Finanzminister Varoufakis merken, dass sie nichts mehr in der Kasse
haben. Sie sind auf die Hilfen der Gläubigerländer auf Gedeih und
Verderb angewiesen. Es gibt deshalb für Athen nur einen Weg, im Euro
zu bleiben. Es muss ohne Wenn und Aber mit den europäischen Partnern
kooperieren und alle Mätzchen lassen, die das behindern. Man mag dem
deutschen Finanzminister Schäuble zu Recht vorwerfen, dass er aus
persönlichen Antipathien gegen Varoufakis Öl ins Feuer gießt, statt
zu beruhigen. Trotzdem wenden sich auch die Freunde Athens wie
EU-Kommissionspräsident Juncker und der SPD-Politiker Schulz
eindringlich an Tsipras, endlich auf den zuvor so bekämpften
Reformkurs einzuschwenken. Tsipras könnte sogar Gewinn aus einem
Kurswechsel ziehen. Wenn er sich als couragierter Reformer zeigt, der
auch den selbstvergessenen Eliten des Landes etwas mehr Bürgersinn
beibringt, dürfte er mehr in Europa durchsetzen. Auch für ihn gilt:
Eine verbesserte Verhandlungsposition muss man sich verdienen - am
besten durch gute Politik.
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Datum: 15.03.2015 - 19:59 Uhr
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