Weser-Kurier: Kommentar von Jörn Seidel zum Bericht des Sonderermittlers über den Anti-Terror-Einsatz in Bremen
ID: 1197563
Anti-Terror-Einsatzes? Sollten wir nicht zufrieden sein, dass uns der
Staat beschützt hat? Diese Fragen mancher Bürger sind durchaus
verständlich angesichts der komplizierten Debatte über den
Polizeieinsatz Ende Februar. Aber es wäre fatal, sich in Gewissheit
zu wiegen, dass der rot-grüne Senat mit seinem ihm unterstellten
Sicherheitsapparat uns ausreichend beschützt. Erst die Kontrolle -
die provozierenden Fragen der Oppositionsparteien CDU und Linke sowie
die bohrenden Recherchen der Journalisten - haben eklatante
Sicherheitslücken und Verfehlungen der Behörden sichtbar gemacht, die
ansonsten womöglich nicht verraten worden wären. Das Ziel der zähen
Aufklärung: Attentate wie in Paris und Kopenhagen in Bremen zu
vermeiden. Tatsächlich gab es wohl auch hier die konkrete Gefahr
eines Terroranschlags; dieser Überzeugung sind mittlerweile sogar die
Fraktionsvorsitzenden der Opposition. Das Eingreifen der Polizei war
an sich also richtig. Doch wie der jetzige Bericht des
Sonderermittlers Dietrich Klein noch einmal offiziell bestätigt, kam
es dabei zu vielen Pannen. Den Untersuchungsbericht hätte er auch
Armutszeugnis nennen können, wäre er als vermeintlich unabhängiger
Gutachter nicht ein enger Vertrauter des Innensenators. Es bleibt ein
Geschmäckle zurück. Der Sonderermittler nimmt eine eigene Bewertung
der Pannen vor. Als "keine Kleinigkeit" bezeichnet er etwa zu Recht,
dass eine Familie versehentlich stundenlang in Gewahrsam gehalten
wurde. Der unfassbare Grund: weil Polizisten geschlampt haben. Doch
dass Klein es als "Kleinigkeit" bezeichnet, dass das Fahrzeug eines
Hauptverdächtigen nicht durchsucht wurde, ist mehr als fragwürdig.
Denn zusammen mit der Panne, dass das Islamistische Kulturzentrum
(IKZ) vor der abendlichen Stürmung fünf Stunden lang nicht observiert
wurde, ergibt sich die erschütternde Erkenntnis: Allein diese beiden
Sicherheitslücken haben das Leben der Menschen in Bremen unnötig in
Gefahr gebracht. In Anbetracht der offenbar konkreten Anschlagsgefahr
sind diese Fehler unverzeihlich. Gut, dass sich die Schuldfragen
jetzt langsam klären. Aber die Frage nach der Verantwortung bleibt.
Daher schlachtet Oppositionsführer Thomas Röwekamp (CDU) die
Terror-Debatte nun als Wahlkampfthema aus, indem er der Regierung
Unfähigkeit attestiert. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) tut das -
vielleicht unabsichtlich - ebenso: Sowohl beim Polizeieinsatz als
auch bei der Aufklärung versuchte er, sich als starker Mann zu
präsentieren. Doch verwerflich ist es keineswegs, mit diesem Thema
Wahlkampf zu machen, wie Polizeiverbände sich empören. Die Parteien
wären schlecht beraten, täten sie es nicht. Denn in Kürze liegt es in
der Hand der Wähler, wem sie ihre Sicherheit anvertrauen.
Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 10.04.2015 - 20:35 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1197563
Anzahl Zeichen: 3220
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bremen
Kategorie:
Innenpolitik
Diese Pressemitteilung wurde bisher 359 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Weser-Kurier: Kommentar von Jörn Seidel zum Bericht des Sonderermittlers über den Anti-Terror-Einsatz in Bremen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Weser-Kurier (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz hat das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz begrüßt: "Die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum können erheblich sein. Daran besteht kein Zweifel", sagte der Chefökonom d
Banaszak: Grüne wollen Borkum-Abkommen verhindern ...
Der Parteichef der Grünen, Felix Banaszak, sieht sich durch Entscheidung des Bundesrats, keine Stellungnahme zum Gesetzes über ein Unitarisierungsabkommen mit den Niederlanden im Rahmen der geplanten Gasförderung vor Borkum abzugeben, bestätigt: "Ich halte es weiterhin für notwendig, dass
Neue Nato-Vorgaben: Der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschuss, Thomas Röwekamp (CDU), spricht sich für eine allgemeine Dienstpflicht aus ...
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, der Bremer CDU-Abgeordnete Thomas Röwekamp, spricht sich im "WESER-KURIER" (Bremen) wegen der neuen Nato-Vorgaben zur künftigen Truppenstärke der Bundeswehr für eine allgemeine Dienstpflicht aus. "Aus meiner Si
Weitere Mitteilungen von Weser-Kurier
WAZ: Zum Erfolg verdammt. Kommentar von Wilfried Goebels zur Flüchtlingspolitik in NRW ...
Mit dem ersten "Notfall-Gipfel" im letzten Oktober wollte die Landesregierung nach den Misshandlungen in Flüchtlingsheimen aus der Defensive kommen. Das ist gelungen, auch wenn viele Zusagen noch im Planungsstadium stecken. Auf Gipfel 2 muss aber ein konkreter Plan für die Flüchtling
WAZ: Bußgelder reichen nicht. Kommentar von Christian Kerl zu Abzocke am Telefon ...
Die Dreistigkeit der Abzocker am Telefon kennt keine Grenzen: In unerlaubten Werbeanrufen geben sie sich als Verbraucherschützer aus und versprechen gegen eine monatliche Gebühr Schutz gegen - unerlaubte Werbeanrufe. Wer sich überrumpeln lässt, zahlt viel Geld für nichts. Kein Einzelfall. Di
WAZ: Die Halden, eine Erfolgsgeschichte. Kommentar von Frank Preuß zum Alpincenter ...
Mit berechtigtem Stolz blickt man im Ruhrgebiet auf den Umgang mit dem Erbe des Bergbaus. Der hat tiefe Wunden in der Region hinterlassen, und es wäre ein lächerlicher Versuch ruhrgebietstümelnder Schönfärberei, zu behaupten, was mal hässlich war, wird nun schön. Aber das Revier hat mit d
"Report Mainz": Undercover-Recherche enthüllt katastrophale Zustände bei Zucht und Haltung von Heimtieren / Schlimme Bedingungen für Hamster, Meerschweinchen und Vögel ...
Nach gemeinsamen Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" und des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" werden viele der im Handel erhältlichen Zoo- und Heimtiere, wie Meerschweinchen, Vögel oder Kaninchen, bei Züchtern und Lieferanten unter schlimmen Bedingungen gehal




