Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Europaweiter Blitzmarathon
PR-Aktion reicht nicht
Dirk-Ulrich Brüggemann
ID: 1198961
die Hinweistafeln an Autobahnen und Bundesstraßen? Eindringlich
warnen die Plakate vor der Unfallursache Nummer eins, dem Rasen. Doch
mal ehrlich: Nehmen wir Autofahrer diese gerechtfertigten Hinweise
wirklich immer ernst? Jeder von uns wird zugeben müssen, ein
Geschwindigkeitsschild im bunten bundesdeutschen Schilderwald schon
mal übersehen zu haben. Da hilft auch die eindrucksvoll mahnende
Tafel nicht. Und schon gar nicht an einer Stelle, die wir tagtäglich
passieren müssen. NRW-Innenminister Ralf Jäger hat zum wiederholten
Male sich auf die Fahnen geschrieben, der nicht angepassten
Geschwindigkeit den Kampf anzusagen. Doch viel mehr als eine
PR-Aktion für nette Pressefotos ist der Blitzmarathon nicht.
Gerechtfertigte Kritik hagelt es von allen Seiten. Da hilft es auch
nicht, dass sich jetzt neben Deutschland auch noch 21 andere
europäische Länder an den Kontrollen beteiligen. Auch in der
Bevölkerung scheint das Interesse am Blitzmarathon abzuebben. Wie
sonst lassen sich die geringen Teilnehmerzahlen am Online-Voting zu
den geplanten Messstellen der Polizei erklären? In der
300.000-Einwohner-Stadt Bielefeld haben sich gerade mal 343 Bürger an
der Internetumfrage der Polizeibehörde beteiligt. Ein schwaches Bild.
Um die Unfallursache Nummer eins, die nicht angepasste
Geschwindigkeit, wirkungsvoll in den Griff zu bekommen, bedarf es
deutlich mehr, als zweimal im Jahr alle Radargeräte zeitgleich
aufzubauen und für 24 Stunden auf Knöllchenjagd zu gehen. Vielmehr
sollten die Politiker aller Fraktionen überlegen, ob ein generelles
Tempolimit auch auf Autobahnen eine Lösung sein könnte. Dieses muss
dann auch effektiv überwacht werden. Aber nicht nur punktuell mit
einzelnen Starenkästen. "Section Control" heißt das bereits in
einigen europäischen Nachbarländern erfolgreich eingesetzte
Messverfahren, mit dem über einen teilweise kilometerlangen Weg die
Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt und festgehalten wird. Wer
hier zu schnell ist, muss halt zahlen. Und es gibt Nachbarländer, in
denen sind die Geldbußen deutlich empfindlicher als in Deutschland.
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Datum: 14.04.2015 - 20:30 Uhr
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