Mittelbayerische Zeitung: Ein klares Zeichen / Kommentar zum Weltkriegsgedenken in der Ukraine
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Weltkriegs hat die Regierung der Ukraine zum Anlass genommen, den
West-Kurs des Landes zu untermauern. Erstmals in der Geschichte der
unabhängigen Ukraine wurde nicht der Sieg über Hitler-Deutschland
gefeiert, sondern der Millionen Opfer gedacht, die der Krieg
zwischen1939 bis 1945 gefordert hat. Präsident Petro Poroschenko
setzte sich auch optisch von den früheren Feiern ab. Anstelle roter
Fahnen oder gar des orange-schwarzen Georgs-Bandes, das seit zehn
Jahren in Russland an das Kriegsende erinnert, stand eine rote
Mohnblüte symbolisch für das Gedenken. Dieses Motiv dient vor allem
in den angelsächsischen Ländern zur Erinnerung an den Ersten und den
Zweiten Weltkrieg. Poroschenko erntete für diese Wahl nicht nur
Applaus. Auch im eigenen Land sieht er sich Kritikern gegenüber, die
diese Anlehnung an den Westen nicht verstehen. Doch der Präsident
will Zeichen setzen. Die Bevölkerung der Ukraine soll sehen, dass es
der Regierung mit der Westorientierung ernst ist und dass eine
unabhängige Ukraine dauerhaft nur Bestand hat, wenn sie sich an ihren
westlichen Partnern orientiert. Auch und gerade an dem Tag, der an
das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert. Noch immer befindet sich
die Ukraine im Krieg. Der übergroße Nachbar Russland unterstützt die
Separatisten im Donbass. Dort wurde am Wochenende auch der 70.
Jahrestag begangen. Die Militärparade durch die Großstadt Donezk
hätte im Vergleich zur Gedenkfeier in Kiew, auf der
UN-Generalsekretär Ban-Ki-Moon die aktuellen Kriegsparteien zum
Frieden aufrief, kontrastreicher nicht sein können. In Donezk zogen
Panzer, Raketenwerfer und an die tausend Soldaten in Kampfausstattung
am Lenin-Denkmal vorbei. Der Anführer der selbsternannten
"Volksrepublik Donezk", Alexander Sachartschenko, bedankte sich bei
den Soldaten, die den "Donbass von den Faschisten befreit haben", mit
den Worten: "Ich gratuliere Euch, Genossen." Ostorientierung in
Donezk, Westorientierung in Kiew - genau das ist die Trennungslinie,
die für die zerrissene Ukraine dieser Tage steht.
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Datum: 10.05.2015 - 20:15 Uhr
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